Räderwerk
Die Folge ineinandergreifender Räder, die die Energie aus dem Federhaus über die Hemmung zur Anzeige der Zeit überträgt. Räderzahl, Übersetzung und Lagerqualität bestimmen Gangreserve und Wirkungsgrad.
Eckdaten
- Funktion
- Energie- und Bewegungsübertragung Federhaus → Hemmung
- Standard-Anzahl Räder
- 4 (Zeiträderwerk)
- Material Räder
- Messing oder vergoldetes Messing
- Material Triebe
- gehärteter Stahl
- Lagerung
- synthetischer Rubin an jeder Achse
- Drehzahl Minutenrad
- 1 Umdrehung / Stunde
- Drehzahl Sekundenrad
- 1 Umdrehung / Minute
- Steine im Räderwerk klassisch
- ca. 14 von 17 Gesamt-Steinen
Das Räderwerk (international Gear Train oder Going Train) ist die Folge ineinandergreifender Räder, die die Energie aus dem Federhaus über die Hemmung auf die Zeiger überträgt. Es ist die mechanische Verbindung zwischen dem Energiespeicher und dem taktgebenden Oszillator — und gleichzeitig die Untersetzung, die aus der langsamen Drehung des Federhauses die schnelle Schwingung der Unruh und die korrekten Geschwindigkeiten von Sekunden-, Minuten- und Stundenzeiger macht.
Aufbau des Standard-Räderwerks
Ein klassisches Zeiträderwerk besteht aus vier Rädern, gerechnet vom Federhaus zur Hemmung:
- Federhausrad. Das verzahnte Federhaus selbst, üblicherweise mit etwa 80 Zähnen.
- Minutenrad (Zentralrad). Trägt die Minutenwelle und damit den Minutenzeiger; in den meisten Werken im Zentrum des Werks.
- Sekundenrad (Kleinbodenrad). Treibt das Vierte Rad an.
- Viertes Rad. Dreht sich einmal pro Minute und trägt — bei vielen Werken — den Sekundenzeiger.
- Hemmrad. Das letzte Rad in der Kette; übergibt die Energie an den Anker.
Die Übersetzung der Räder ist so gewählt, dass das Minutenrad eine Umdrehung pro Stunde macht, das Sekundenrad bzw. Vierte Rad eine pro Minute, und das Hemmrad die hohe Drehzahl erreicht, die zur Versorgung der Hemmung bei 4 Hz nötig ist.
Weitere Räderwerke im Werk
Über das reine Zeiträderwerk hinaus enthält ein modernes Werk weitere Räderfolgen:
- Aufzugsräderwerk. Verbindet Krone oder Rotor mit dem Federhaus.
- Datums- und Komplikations-Räderwerk. Treibt Datumsanzeige, Wochentag, Mondphase, Chronograph und andere Komplikationen an.
- Kleinwerks-Räder. Kleinsekunde, Gangreserve-Anzeige, GMT-Räder.
In hochkomplizierten Werken können mehrere Dutzend Räder zusammenwirken. Die Lange 1 zum Beispiel benötigt für die Kombination aus Großdatum, dezentralem Zifferblatt und Gangreserve mehr als 60 Räder und Triebe.
Material und Lagerung
Räder bestehen üblicherweise aus Messing, Stahl oder vergoldetem Messing; die Triebe (kleine Ritzel an den Rad-Achsen) werden aus gehärtetem Stahl gefertigt. Jede Achse läuft an beiden Enden in einem Stein — synthetischem Rubin —, was den Verschleiß minimiert. Bei einer klassischen Drei-Zeiger-Uhr sitzen rund 14 der 17 Steine auf den Lagern des Räderwerks und des Hemmrads.
Verschleiß und Service
In unserem Atelier in München zeigen sich Räderwerk-Probleme typischerweise als unsteter Gang, hörbares Spiel oder als Stillstand bei bestimmten Lagen. Häufige Ursachen:
- Verschmutzte Lager — Staub und altes Öl erhöhen die Reibung.
- Verbogene Triebe nach einem Stoß.
- Defekte Zähne an einem einzelnen Rad — selten, aber möglich, etwa nach einem mechanischen Eingriff durch einen nicht zertifizierten Reparateur.
Im Komplett-Service wird das Räderwerk zerlegt, jedes Rad und jeder Trieb unter dem Mikroskop kontrolliert, anschließend gereinigt und neu geölt. Ein gut gewartetes Räderwerk hält Jahrzehnte ohne Tausch von Komponenten.
Häufige Fragen
- Das Räderwerk im engeren Sinn ist das Zeiträderwerk: die Räderfolge vom Federhaus über das Minutenrad, Sekundenrad und Vierte Rad bis zum Hemmrad. Der Aufzugsmechanismus ist eine separate Räderfolge, die Krone oder Rotor mit dem Federhaus verbindet — er lädt die Energie, leitet aber nicht den Zeitablauf. Beide Räderwerke arbeiten unabhängig und werden im Service getrennt behandelt.