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Time Boutique München
Werk & Anatomie

Hemmung

Die Baugruppe eines mechanischen Werks, die Energie aus der Zugfeder in regelmäßigen Impulsen auf die Unruh überträgt und so die Ganggenauigkeit steuert. Schweizer Ankerhemmung ist der heutige Standard, Co-Axial die moderne Omega-Alternative.

Eckdaten

Funktion
regelmäßige Energieabgabe an die Unruh
Hauptkomponenten
Hemmrad, Anker, Impulsstein
Verbreiteter Standard
Schweizer Ankerhemmung
Beat-Frequenz heute
28.800 A/h (4 Hz)
High-Beat
36.000 A/h (5 Hz, Zenith El Primero, Grand Seiko)
Slow-Beat
18.000–21.600 A/h (Vintage und einige Patek)
Co-Axial
Omega seit 1999
Serviceintervall klassisch
4–6 Jahre, Co-Axial 8–10

Die Hemmung (international Escapement) ist die Baugruppe eines mechanischen Werks, die Energie aus dem Federhaus in regelmäßigen Impulsen auf die Unruh überträgt. Sie sperrt das Räderwerk zwischen den Impulsen und gibt es portionsweise frei — und bestimmt damit, wie häufig und wie präzise die Unruh schwingt. Die Hemmung ist das taktgebende Element jeder mechanischen Uhr.

Schweizer Ankerhemmung

Die im frühen 19. Jahrhundert verfeinerte Schweizer Ankerhemmung ist in nahezu jeder heute produzierten mechanischen Armbanduhr verbaut. Drei Komponenten:

  • Hemmrad. Ein gezahntes Rad, das vom Räderwerk unter Zugfeder-Energie gedreht wird.
  • Anker. Ein schwenkbarer Hebel mit zwei Rubin-Paletten, die abwechselnd die Hemmradzähne fangen und freigeben. Vertieft im Glossar-Eintrag Anker.
  • Impulsstein an der Unruh. Empfängt den Energie-Impuls vom Anker und überträgt ihn auf die Unruh.

Jede Schwingung der Unruh lässt das Hemmrad um einen Zahn weiterspringen und erzeugt das charakteristische Tickgeräusch. Bei 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (gängige moderne Frequenz) tickt die Uhr acht Mal pro Sekunde.

Die Ankerhemmung ist mechanisch einfach, robust und gut erforscht. Ihre Grenze ist die Gleitreibung zwischen Paletten und Hemmradzähnen, die Schmierung benötigt und sich mit alternden Ölen verschlechtert.

Co-Axial-Hemmung

Die von George Daniels erfundene und 1999 von Omega übernommene Co-Axial-Hemmung (modernes Kaliber 2500 und Folgegenerationen) ersetzt Gleitreibung weitgehend durch radiale Impulse. Zweistufiges Hemmrad, drei Paletten am Anker, zwei Impulskontakte je Schwingung, deutlich weniger Gleitkontakt.

Folgen:

  • Geringere Schmier-Abhängigkeit. Co-Axial-Werke halten zwischen Services länger genau.
  • Längere Serviceintervalle. Omega gibt 8 bis 10 Jahre an, gegenüber 4 bis 6 Jahren bei klassischen Ankerwerken.
  • Anderer Klang. Etwas höherer Ton, etwas weniger „lebhaft".

Co-Axial findet sich in fast allen modernen mechanischen Omega-Referenzen und einigen unabhängigen Stücken in George-Daniels-Tradition. Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet und Vacheron haben sie nicht übernommen und setzen weiter auf optimierte Anker-Designs.

Weitere Hemmungen

  • Detent- oder Chronometer-Hemmung. Historisch in Marine-Chronometern eingesetzt. Sehr genau, aber stoßempfindlich; in Armbanduhren selten.
  • Konstantkraft-Hemmung. A. Lange & Söhne und Greubel Forsey haben Armbanduhren-Versionen produziert; komplex und selten.
  • Heuschrecken-Hemmung (Harrison-Stil). Von Roger Smith und anderen rekonstruiert; historisch und didaktisch, kommerziell unbedeutend.

Bedeutung für Wert und Service

In unserem Atelier in München prüfen wir bei jeder Uhr zunächst die Hemmung — Amplitude, Beat-Error, Gangabweichung in mehreren Lagen sind die Standardmessungen auf der Zeitwaage. Eine intakte Hemmung zeigt eine Amplitude von 270 bis 310 Grad bei voll aufgezogenem Werk; alles darunter deutet auf Ölalterung, Verschmutzung oder einen mechanischen Schaden hin.

Originale Hemmung versus servicegetauschte Hemmung ist gelegentlich ein Vintage-Echtheits-Thema. Servicecenter ersetzen abgenutzte Paletten oder Hemmräder routinemäßig; dokumentierte Servicearbeit ist normal, nicht offengelegter Tausch von Komponenten in einer Vintage-Referenz ist ein Warnsignal.

Häufige Fragen

  • Die Hemmung verwandelt den kontinuierlichen Energiefluss aus der Zugfeder in dosierte, gleichmäßige Impulse, die die Unruh am Schwingen halten. Gleichzeitig sperrt sie das Räderwerk zwischen den Impulsen — wäre sie nicht vorhanden, würde sich das Räderwerk in wenigen Sekunden komplett entladen. Sie ist der zentrale taktgebende Mechanismus jeder mechanischen Uhr.

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