Federhaus
Das zylindrische Gehäuse, in dem die Zugfeder eines mechanischen Werks aufgewickelt sitzt. Federhausgröße, Federgeometrie und Anzahl der parallelen Federhäuser bestimmen die Gangreserve und das gleichmäßige Drehmoment.
Eckdaten
- Funktion
- Speicher der Antriebsenergie
- Form
- zylindrisches Gehäuse mit Außenverzahnung
- Inhalt
- Zugfeder, am Federkern und Federhausrand fixiert
- Material Feder modern
- Nivaflex und vergleichbare Legierungen
- Aufzug Handaufzug
- über Federkern via Krone
- Aufzug Automatik
- über Rotor und Aufzugsräder
- Typische Gangreserve
- 40–80 Stunden
- Mehrere Federhäuser
- Lange 1, Patek 240, Panerai 8-Tage
Das Federhaus (international Mainspring Barrel) ist das zylindrische, hutförmige Gehäuse, in dem die Zugfeder eines mechanischen Werks aufgewickelt liegt. Es ist die Energiequelle der Uhr: Wird die Uhr aufgezogen — von Hand über die Krone oder bei einer Automatik über den Rotor — windet sich die Zugfeder fester um den Federkern. Beim Entspannen treibt die freigesetzte Energie das Räderwerk an, durch die Hemmung hindurch bis zu den Zeigern.
Aufbau
Das Federhaus besteht aus drei Hauptteilen: dem Federhausboden mit dem Federkern, dem Federhausdeckel und dem Federhausrand mit Verzahnung. Die Zugfeder selbst — ein dünnes, langes Band aus modernem Federstahl — liegt zwischen Boden und Deckel und ist mit einem Ende am Federkern, mit dem anderen am Federhausrand befestigt. Außen am Federhausrand greift das erste Rad des Räderwerks ein und leitet die Energie ab.
Beim Aufziehen rotiert der Federkern; das äußere Ende der Feder bleibt am Federhausrand fixiert. Die Feder zieht sich enger um den Kern. Beim Ablaufen rotiert das Federhaus als Ganzes, und das Räderwerk wird in Bewegung gesetzt.
Drehmomentverhalten
Eine voll aufgezogene Zugfeder gibt das höchste Drehmoment ab und verliert allmählich an Kraft. Zwei Strategien begegnen dem Effekt:
- Stoppwerk. Mechanismus, der die Feder weder bis ins schwächste Spannungsband noch in das höchste laufen lässt. Verbreitet in Vintage-Werken; bei modernen Automatikwerken durch den Rutschbügel ersetzt.
- Rutschbügel. Modern in jeder Automatik. Das äußere Ende der Feder gleitet an der Federhauswand, wenn der Rotor weiter aufzieht als die Federkapazität erlaubt. Verhindert ein Überaufziehen und ermöglicht kontinuierliches Nachladen.
Der nutzbare Drehmomentbereich liegt typischerweise im mittleren 60 bis 80 Prozent des Aufzugs; die Extremlagen erzeugen unsteten Gang. Auf einem Rolex-Werk arbeitet die Hemmung damit zwischen voller Aufzugsstellung und etwa 24 Stunden vor dem Stillstand im stabilen Bereich.
Mehrere Federhäuser
Einige Konstrukteure setzen zwei oder drei Federhäuser parallel ein. Beispiele:
- Patek Philippe Kaliber 240 PS. Mikrorotor mit langer Gangreserve.
- A. Lange & Söhne L901. Doppelfederhaus in der Lange 1, etwa 72 Stunden Gangreserve.
- Panerai P.5000 / P.2002. Drei Federhäuser, 8 Tage Reserve.
Mehr Federhäuser bedeuten längere Gangreserve oder konstanteres Drehmoment über die Laufzeit, allerdings auf Kosten der Werkdicke und Komplexität.
Service und Verschleiß
In unserem Atelier in München sind Federhaus-Probleme meist Folge einer überfälligen Revision. Eine alte oder gesetzte Zugfeder zeigt sich als deutlich reduzierte Gangreserve — ein 48-Stunden-Werk läuft etwa nur noch 30 Stunden. Im Komplett-Service wird das Federhaus geöffnet, die Feder geprüft und in der Regel getauscht, der Federkern, der Federhausrand und der Deckel gereinigt und neu geschmiert. Bei einer Automatik wird der Zustand des Rutschbügels ebenfalls geprüft — ein verharzter Rutschbügel führt zu unzureichendem Aufzug.
Häufige Fragen
- Die Zugfeder ist das Energie speichernde Bauteil — eine lange, schmale Feder, die sich beim Aufziehen aufwickelt. Das Federhaus ist das Gehäuse, in dem sie sitzt: Es schützt die Feder, hält sie in Form und überträgt das Drehmoment über die Außenverzahnung an das Räderwerk. Beide Begriffe werden oft verwechselt, beschreiben aber unterschiedliche Komponenten derselben Baugruppe.