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Time Boutique München
Werk & Anatomie

Unruh

Das schwingende, mit Gewichten ausgestattete Rad eines mechanischen Werks, das zusammen mit der Spiralfeder den Gang reguliert. Schwingt typischerweise mit 21.600 bis 36.000 Halbschwingungen pro Stunde und ist auf vielen Werken durch den Sichtboden zu sehen.

Eckdaten

Funktion
Frequenzgeber des Werks
Durchmesser typisch
7–14 mm
Lagerung
zwei Rubinlager (oben/unten)
Werkstoff Standard
Glucydur (Beryllium-Kupfer)
Werkstoff Rolex
paramagnetische Eigenlegierung
Frequenz heute
28.800 A/h (4 Hz)
High-Beat
36.000 A/h
Sichtbar
bei Werken mit Sichtboden

Die Unruh (international Balance Wheel) ist das schwingende, gewichtete Rad eines mechanischen Werks. Zusammen mit der angesetzten Spiralfeder reguliert sie den Gang der Uhr. Die Unruh ist das Herz des Werks — ihre gleichmäßige Hin-und-Her-Schwingung erzeugt die Zeit-Referenz, an der sich Räderwerk, Zeiger und Komplikationen synchronisieren.

Wie die Unruh arbeitet

Die Unruh ist eine kreisrunde, mit Gewichten besetzte Scheibe von typischerweise 7 bis 14 Millimetern Durchmesser, geführt auf zwei feinen Stahlachsen in Rubinlagern. Eine an ihrer Achse befestigte Spiralfeder erzeugt die rücktreibende Kraft, die die Unruh aus jeder Auslenkung in die Ruhelage zurückführt. Energie aus dem Räderwerk gelangt über die Hemmung und den Anker als kleiner Impuls auf die Unruh und erhält die Schwingung, solange die Zugfeder Energie hat.

Die Unruh schwingt mit definierter Frequenz:

  • 18.000 A/h (2,5 Hz) — langsam, in einigen Vintage-Taschenuhren und Langes klassischen Kalibern.
  • 21.600 A/h (3 Hz) — verbreitet in Werken der 1950er bis 1970er Jahre und in moderner Patek Philippe.
  • 28.800 A/h (4 Hz) — der moderne Standard (ETA, Rolex, AP, die meisten zeitgenössischen Werke).
  • 36.000 A/h (5 Hz) — High-Beat, in Zenith El Primero und Grand Seiko 9SA5.

Höhere Frequenz bringt mehr Lagenstabilität, erhöht aber Verschleiß und Energiebedarf.

Unruh-Bauformen

  • Trägheitsschrauben- oder Rückerschwingung. Klassische Bauform; der Gang wird über einen verschiebbaren Rücker auf der Unruh-Brücke eingestellt. Verbreitet in älteren Werken und vielen ETA-basierten Kalibern.
  • Freischwingende Unruh. Kein Rücker. Die Einstellung erfolgt direkt am Unruh-Rand durch Stellschrauben oder verschiebbare Massen. Stoßunempfindlicher, präziser, aber schwerer zu regulieren. In modernen Rolex (Microstella-Schrauben), Audemars Piguet, Patek Philippe und Glashütter Kalibern.
  • Variable-Trägheits-Unruh. Proprietäre Designs (Rolex Microstella) erlauben Feinjustage der Trägheit über winzige Schrauben direkt am Unruhrad — Regulierung ohne Eingriff in die Spiralfeder.

Werkstoffe

  • Messing (traditionell) — Basis, für viele Anwendungen ausreichend.
  • Beryllium-Kupfer-Legierung (Markenname Glucydur) — temperaturstabil, verbreitet in mittleren bis hohen Schweizer Werken.
  • Moderne paramagnetische Legierungen. Rolex verwendet eigene Legierungen für die Unruh, die die Anfälligkeit für Magnetisierung mindern und mit der Parachrom-Spirale ein vollständig nicht-ferromagnetisches Regulierorgan ergeben.

Was zählt für Wert und Service

In unserem Atelier in München zeigen sich Unruh-Probleme typischerweise als unsteter Gang nach einem Stoß: abgeplatzter Stein an der Unruh-Achse, verbogene Achse oder eine leicht deformierte Spirale. Auf der Zeitwaage werden diese Effekte als hoher Beat-Error oder als starke Lagenabweichung sichtbar. Die Behebung ist Werks-Service. Eine intakte, original belassene Unruh in einem Vintage-Stück ist außerdem ein zentrales Echtheitsmerkmal — Bauform und Material gehören zu den ersten Kontrollpunkten bei der Identifikation eines Kalibers.

Häufige Fragen

  • Die Unruh ist der Schwingkörper, der die Frequenz des Werks bestimmt. In Verbindung mit der Spiralfeder bildet sie ein harmonisches Schwingsystem mit definierter Eigenfrequenz — daraus leitet die Uhr ihren Takt ab. Jede vollständige Hin-und-Her-Schwingung wird über die Hemmung als ein Tick auf das Räderwerk übertragen und treibt damit die Zeiger an.

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