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Werk & Anatomie

Spiralfeder

Die an der Unruh befestigte spiralförmige Feder, die die rücktreibende Kraft der Unruh-Schwingung liefert. Material und Geometrie bestimmen Ganggenauigkeit, Temperatur- und Magnetbeständigkeit eines mechanischen Werks.

Eckdaten

Funktion
rücktreibende Kraft der Unruh
Aufbau
12–14 spiralförmig gewickelte Windungen
Material klassisch
Nivarox
Material Rolex
Parachrom Blue (Niob-Zirkonium)
Material Patek
Spiromax (Silizium)
Material Omega
Si14 (Silizium)
Endkurve High-End
Breguet- oder Phillips-Geometrie
Magnet-Resistenz mit Silizium
bis 15.000 Gauss

Die Spiralfeder (auch Unruhspirale, international Hairspring) ist die an der Unruh befestigte spiralförmige Feder. Sie liefert die rücktreibende Kraft, die die Unruh nach jedem Impuls in die Ruhelage zurückführt. Gemeinsam mit der Unruh bildet sie das Schwingsystem — und ist damit neben der Unruh die kritischste Zeitmessungs-Komponente eines mechanischen Werks.

Wie die Spirale arbeitet

Dreht sich die Unruh in eine Richtung, dehnt sie die Spirale; deren gespeicherte Spannung zieht die Unruh zurück. Schwingt die Unruh über die Ruhelage in die andere Richtung, drückt sie die Spirale zusammen; die Spannung zieht erneut zurück. Der Zyklus wiederholt sich, reguliert durch die spezifische Steifigkeit der Spirale und die Massenverteilung der Unruh.

Die Eigenfrequenz des Systems Unruh-Spirale bestimmt die Schwingfrequenz. Eine Veränderung der wirksamen Federlänge oder der Massenverteilung verschiebt den Gang — das ist der Punkt, an dem die Regulierung ansetzt.

Spiralwerkstoffe

Das Material ist der Bereich, in dem die moderne Spiralfeder-Innovation stattgefunden hat:

  • Stahl (traditionell, vor 1930). Anfällig für Magnetisierung; temperaturempfindlich.
  • Nivarox- und Glucydur-Legierungen (ab Mitte des 20. Jahrhunderts). Verbesserte Temperaturstabilität, geringere Magnetempfindlichkeit. Standard in Mittelklasse-Werken.
  • Parachrom Blue (Rolex-Eigenmischung, eingeführt 2000). Niob-Zirkonium-Legierung. Paramagnetisch, deutlich stoßresistenter, mit sichtbarem Blauton.
  • Silizium (Patek Philippe Spiromax 2005, Omega Si14 ab 2008). Vollständig unmagnetisch, leichter, geometrisch stabil. Einige Sammler bevorzugen klassische Metall-Spiralen aus Tradition.
  • Silinvar (Patek-Variante). Silizium-basiert mit spezieller Geometrie zur thermischen Kompensation.

Silizium und Parachrom-artige Legierungen ermöglichen die heutige antimagnetische Zertifizierung — Werte bis 15.000 Gauss bei Omega Master Chronometer bauen auf diesen Materialien auf.

Spiral-Geometrie

Über das Material hinaus zählt die Geometrie:

  • Flache Spirale. Klassische flache Wicklung, einfach zu fertigen, leicht lagenempfindlich.
  • Breguet-Endkurve. Eine angehobene Endkurve der äußersten Windung, die die Lagenkonstanz verbessert. Üblich in High-End-Werken (A. Lange & Söhne, Patek Philippe, einige Vacheron).
  • Phillips-Endkurve. Eine spezifische mathematische Endkurven-Geometrie zur Minimierung des Lagenfehlers.

Warum die Spirale zählt

In unserem Atelier in München zeigen sich Spiralfeder-Probleme als deutlich abweichender Gang, der weder auf normale Regulierung noch auf Entmagnetisierung reagiert. Ein typischer Befund ist eine verbogene oder verformte Spirale nach einem Stoß — die Windungen berühren sich nicht mehr gleichmäßig, der Schwerpunkt verschiebt sich, Lagenkonstanz und Beat-Error verschlechtern sich. Eine beschädigte Spirale ist eine der heikelsten Uhrmacher-Reparaturen und in der Regel ein Fall für die Werkstatt — bei bestimmten Premium-Kalibern sogar nur für die Manufaktur selbst.

Häufige Fragen

  • Silizium ist vollständig unmagnetisch, geometrisch sehr stabil und behält seine Federkonstante über einen weiten Temperaturbereich. Eine Metallspirale, selbst aus moderner Nivarox-Legierung, kann magnetisiert werden — was die Schwingung verändert und den Gang verfälscht. Silizium ist außerdem leichter und reagiert weniger empfindlich auf Stöße. Manche Sammler ziehen klassische Metallspiralen vor, weil sie tradierter Uhrmacherkunst entsprechen.

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