Weißgold
Eine Goldlegierung aus 75 Prozent Feingold und Zusatzmetallen — typischerweise Palladium, Silber oder Nickel —, die den gelben Charakter neutralisieren. Wird in der Haute Horlogerie für diskrete Edelmetallgehäuse mit silbrigem Erscheinungsbild verwendet.
Eckdaten
- Goldgehalt 18 Karat
- 75 Prozent
- Zusatzmetalle
- Palladium (hauptsächlich), Silber, gelegentlich Nickel oder Zink
- Punzierung
- 750 (18 Karat)
- Optische Note
- leicht cremig-warm ohne Rhodinierung; brillant-weiß mit Rhodinierung
- Dichte
- ca. 15 g/cm³ (gegenüber 7,9 g/cm³ bei Stahl)
- Härte (Vickers)
- ca. 150 bis 200 HV (palladiumlegiert)
- Allergieprofil
- niedrig (palladiumlegiert), höher (nickellegiert)
- Typische Einsatzgebiete
- Day-Date, Calatrava, Royal Oak, Patrimony, Lange 1
Weißgold ist eine Goldlegierung, die die natürliche gelbe Färbung des Feingolds durch Beimischung anderer Metalle neutralisiert. In der modernen Haute Horlogerie kommen vor allem palladiumlegierte Varianten zum Einsatz; nickellegiertes Weißgold ist in der Schmuckbranche noch verbreitet, in der Uhrenindustrie wegen Allergiepotenzial weitgehend abgelöst.
Die 18-karätige Standardrezeptur enthält 75 Prozent Feingold und 25 Prozent Zusatzmetalle. Aus reinem Feingold ergibt sich auch mit Palladium oder Silber kein vollständig weißer Ton — das Endmaterial behält eine leichte Wärme. Eine Rhodium-Beschichtung sorgt bei einigen Schmuckstücken für den brillant-weißen Look; bei hochwertigen Uhrengehäusen verzichtet die Manufaktur meist auf die Beschichtung und akzeptiert die natürliche, leicht cremige Note.
Warum Weißgold statt Stahl
Optisch sind eine Weißgold-Uhr und eine Stahl-Uhr für das ungeübte Auge schwer zu unterscheiden. Genau darin liegt der Reiz: Weißgold ist eine bewusste Untertreibung. Eine Day-Date in Weißgold ist mit einem Werk und einem Gehäusewert ausgestattet, die ihre Trägerin oder ihr Träger nicht ankündigt. Die typischen Indikatoren:
- Gewicht. Weißgold ist deutlich schwerer als Stahl — eine Day-Date in Weißgold wiegt rund 50 bis 60 Prozent mehr als eine vergleichbare Stahl-Datejust.
- Materialfarbe. Im direkten Vergleich wirkt Weißgold etwas wärmer und cremiger als poliertes Oystersteel; der Unterschied wird bei warmem Licht sichtbar.
- Lünette und Markierungen. Bei Modellen wie der Day-Date in Weißgold ist die geriffelte Lünette aus demselben Material gefertigt; sie hat eine andere Reflexion als eine vergleichbare Stahl-Lünette.
Weißgold bei den führenden Manufakturen
Weißgold ist in der Haute Horlogerie Standardmaterial:
- Patek Philippe: Calatrava, Nautilus, Aquanaut und alle Grandes Complications regelmäßig in Weißgold. Patek arbeitet überwiegend mit palladiumlegierten Rezepturen.
- Audemars Piguet: Royal Oak und Royal Oak Offshore in Weißgold; das Material verleiht der polygonalen Gehäusegeometrie zusätzliches Gewicht.
- Rolex: Day-Date, Daytona, GMT-Master II und Sky-Dweller-Modelle in Weißgold. Die geriffelte Lünette wird klassisch in Weißgold gearbeitet, das Band oft Oyster oder President in Weißgold.
- Vacheron Constantin und A. Lange & Söhne: Klassische Komplikationen, Patrimony, Saxonia und Lange 1 regelmäßig in Weißgold.
Patina, Pflege, Aufarbeitung
Weißgold ist farbstabil. Anders als Roségold gibt es keine Kupferoxidation, anders als Gelbgold keine Gelbtonverstärkung. Eine Patek-Calatrava in Weißgold von 1995 sieht heute farblich aus wie eine von 2026 — vorausgesetzt, sie ist nicht rhodiniert. Rhodinierte Weißgold-Oberflächen können sich nach Jahren leicht aufhellen, weil die hauchdünne Rhodiumschicht im Bereich von Mikrometern abnutzt; eine Aufpolitur oder Neu-Rhodinierung stellt den ursprünglichen Glanz wieder her.
In unserem Atelier in München arbeiten wir an Weißgold-Gehäusen kantenschonend. Das Material verzeiht Politur etwas besser als Roségold (weniger Materialweichheit), aber wiederholtes Aufarbeiten lässt auch hier Gehäusekanten verlieren.
Punzen und Echtheit
Weißgold trägt die übliche 750er-Punze für 18-karätige Goldlegierungen. Zusätzlich findet sich häufig ein Hersteller-Stempel (Manufakturpunze) und je nach Markt ein Importpunze. Eine Day-Date in Weißgold ist innen am Gehäuseboden und an der Schließe gepunzt; Patek-Modelle tragen die Punzen an Bandanstößen und Bandschließen.
Häufige Fragen
- Beide Materialien wirken silbrig, aber sie unterscheiden sich grundlegend. Platin ist 95 Prozent rein (üblicherweise Platin 950), schwerer und weniger reaktiv als Weißgold. Eine Platin-Uhr fühlt sich deutlich gewichtiger an als eine Weißgold-Uhr derselben Geometrie. Optisch ist Platin eine Spur kühler; Weißgold (ohne Rhodinierung) hat einen leicht wärmeren Ton. Platin ist im Materialwert höher und wird in der Haute Horlogerie häufig für Spitzenmodelle reserviert.