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Werk & Anatomie

Quarzwerk

Elektronisches Uhrwerk, das durch einen schwingenden Quarzkristall taktet. Eingeführt 1969 mit der Seiko Astron; in der modernen Premium-Uhrmacherei eine Nische, bleibt aber bei einzelnen ikonischen Referenzen technisch und kulturell relevant.

Eckdaten

Taktgeber
Quarzkristall (Stimmgabelschnitt)
Resonanzfrequenz
32.768 Hz (2¹⁵)
Energiequelle
Knopfzelle (typischerweise Silberoxid 1,55 V)
Batterielaufzeit
2 bis 10 Jahre je nach Werk
Typische Ganggenauigkeit Standard
±15 Sekunden pro Monat
Typische Ganggenauigkeit Hochpräzision
±5 bis ±10 Sekunden pro Jahr
Erste serienreife Quarzuhr
Seiko Astron 35SQ (1969)
COSC-Quarznorm
existiert, deutlich engere Toleranz als mechanisch
Empfohlene Revision
alle 10 bis 15 Jahre
Premium-Anbieter heute
Cartier, Omega, Breitling, Grand Seiko, Citizen

Ein Quarzwerk ist ein elektronisches Uhrwerk, dessen Taktgeber kein mechanischer Unruh-Spirale-Aufbau ist, sondern ein zu Schwingungen angeregter Quarzkristall. Eingeführt 1969 mit der Seiko Astron 35SQ und in den 1970er-Jahren als „Quarzkrise" zum Beinahe-Ende der mechanischen Schweizer Uhrmacherei geworden, ist es heute in der Premium-Uhrenwelt eine Nische — aber eine, die bei einzelnen Referenzen technisch und kulturell relevant bleibt.

Bauprinzip

Eine kleine Batterie liefert Strom an einen Oszillator, in dessen Stromkreis ein winziger Quarzkristall — meist stimmgabelförmig geschnitten — auf seiner Resonanzfrequenz von 32.768 Hertz schwingt. Diese Frequenz wird durch elektronische Frequenzteiler auf einen Sekundentakt heruntergerechnet. Der Sekundenimpuls steuert einen Schrittmotor, der die Zeiger über ein Räderwerk antreibt.

Die Resonanzfrequenz von 32.768 Hz ist eine Zweierpotenz (2¹⁵), was die Frequenzteilung digital besonders effizient macht. Die mechanische Energie zum Zeigerantrieb ist minimal — eine Knopfzelle reicht je nach Konstruktion für zwei bis zehn Jahre Laufzeit.

Genauigkeit und Toleranzen

Ein Standard-Quarzwerk erreicht eine Gangabweichung von ±15 Sekunden pro Monat, ein Hochpräzisions-Quarzwerk wie das Citizen Caliber 0100 oder Bulova Precisionist deutlich darunter — bis hin zu ±5 Sekunden pro Jahr. Die COSC zertifiziert auch Quarzwerke, nach einer eigenen, deutlich engeren Norm.

Damit übertrifft ein durchschnittliches Quarzwerk jedes mechanische Werk um den Faktor 100 bis 1.000 in der Ganggenauigkeit. Genau dieser Vorsprung war 1969 bis 1980 der wirtschaftliche Hebel der Quarzkrise.

Quarz in der Premium-Uhrmacherei

Trotz mechanischer Renaissance ab den 1980ern hat sich Quarz an einzelnen Stellen behauptet:

  • Cartier Tank. Viele aktuelle Tank-Referenzen sind Quarzwerke — bewusste Entscheidung für flache Bauart und Wartungsfreiheit im Schmuckuhr-Kontext. Cartier führt die Tank Quartz neben mechanischen Varianten.
  • Cartier Santos. Die kleinen und mittleren Größen sind ebenfalls Quarz; mechanische Varianten reserviert für die größeren Gehäuse.
  • Omega Constellation Quartz. Hochpräzisions-Quarzwerke, teilweise COSC-zertifiziert.
  • Grand Seiko 9F-Serie. Hochpräzisions-Quarzwerk mit ±10 Sekunden pro Jahr und mechanischer Zeigerführung, der die Quarz-Spritzbewegung in eine ruhige Sekundenbewegung übersetzt.
  • Breitling Aerospace, Superquartz. Pilotenuhren mit hochpräzisem Quarzwerk und Multifunktion.

Die Entscheidung für Quarz an einer Premium-Uhr ist heute keine Kostenfrage — das Werk ist nicht günstiger als ein vergleichbarer ETA — sondern eine Entscheidung für Genauigkeit, Flachheit und Wartungsfreiheit.

Was Quarz nicht ist

  • Kein Synonym für „billig". Hochpräzisions-Quarz wie das Citizen 0100 oder Grand Seiko 9F kann teurer sein als ein durchschnittliches Automatikwerk.
  • Kein Wegfall der Wartung. Batterien müssen alle zwei bis zehn Jahre gewechselt, Dichtungen kontrolliert werden. Hochwertige Quarzwerke benötigen alle 10 bis 15 Jahre eine Revision der Schrittmotor-Mechanik.
  • Keine Garantie für Wertstabilität. Mit Ausnahme einzelner Kult-Quarz-Referenzen (Royal Oak Quartz 14790, Cartier Santos Vintage) erzielen Quarzuhren am Sekundärmarkt im Regelfall geringere Preisstabilität als mechanische Vergleichsmodelle.

In unserem Atelier in München sehen wir Quarzwerke vor allem in der Beratung zur Cartier-Tank: Sammler stehen häufig vor der Wahl zwischen einer modernen Tank Quarz und einer Tank Solo Automatic, und die Entscheidung hängt von Trageprofil, Größe und Designerwartung ab.

Häufige Fragen

  • Ein Standard-Quarzwerk weicht etwa 15 Sekunden pro Monat ab; ein COSC-Automatik etwa 4 bis 6 Sekunden pro Tag. Damit ist Quarz im Regelfall etwa 30-mal genauer als eine mechanische Vergleichsuhr. Hochpräzisions-Quarz kann diesen Vorsprung nochmals um den Faktor 100 ausbauen.

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