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Time Boutique München
Werk & Anatomie

Automatikuhr

Mechanisches Werk, dessen Hauptfeder über einen frei rotierenden Schwungmasse — den Rotor — durch Armbewegung gespannt wird. Standardbauart der modernen Manufakturuhr; ergänzt typischerweise einen manuellen Aufzug über die Krone.

Eckdaten

Antriebsart
Automatischer Aufzug über Rotor plus manueller Notaufzug
Typische Frequenz
21.600 bis 36.000 Halbschwingungen pro Stunde
Typische Gangreserve
38 bis 80 Stunden, Spitzenwerte bis 10 Tage
Aufzugsrichtung
meist bidirektional bei Manufakturkalibern
Rotor-Anordnungen
Zentral, Mikro, Peripherie
Patentherkunft
John Harwood 1923, industrialisiert durch Rolex Perpetual 1931
Empfohlene Revisionsintervalle
5 bis 10 Jahre
Geeignet für
Träger mit regelmäßiger Bewegung, Komplikationsuhren mit dauerhaft hoher Federspannung
Drehmoment im Federhaus
gleichmäßiger als beim Handaufzug
Mehraufwand im Service
Rotorlager-Prüfung, Aufzugsräderkontrolle

Eine Automatikuhr ist ein mechanisches Werk, dessen Hauptfeder durch eine frei drehende Schwungmasse — den Rotor — bei jeder Armbewegung des Trägers gespannt wird. Das Prinzip wurde 1923 von John Harwood patentiert und durch Rolex' Perpetual-Rotor 1931 industrialisiert; seit den 1950er-Jahren ist die Automatik die Standardbauart der modernen Armbanduhr. Ein zusätzlicher manueller Aufzug über die Krone bleibt in der Regel möglich.

Bauprinzip

Der Rotor — meist ein halbmondförmiges Schwungstück aus Messing oder Gold — sitzt zentral oder dezentral auf einem Kugellager über dem Werk und dreht sich frei durch Schwerkraft und Armbewegung. Über ein Aufzugsräderwerk mit Wechselgetriebe spannt er die Hauptfeder; eine Rutschkupplung im Federhaus verhindert das Überspannen bei vollem Aufzug.

Die meisten modernen Werke ziehen bidirektional auf — also bei Rotation in beide Richtungen. Ältere Konstruktionen ziehen unidirektional auf, was bei sitzender Tätigkeit zu unzureichender Spannung führen kann. Die Gangreserve eines aktuellen Automatikwerks liegt zwischen 38 und 80 Stunden, Spitzenwerte bei 7 bis 10 Tagen.

Werks-Architekturen

Drei konstruktive Hauptlinien dominieren:

  • Zentralrotor. Klassische Anordnung mit der Schwungmasse über der gesamten Werksoberfläche. Verdeckt den Werksaufbau bei Sichtboden. Beispiele: Rolex Caliber 3235 in der Datejust, ETA 2892.
  • Mikrorotor. Kleiner, in das Werk integrierter Rotor. Erlaubt flacheren Aufbau und freie Sicht auf den Werksaufbau. Beispiele: Patek Philippe Caliber 240 in der Nautilus Komplikationen, Bulgari Octo Finissimo.
  • Peripherierotor. Außen liegender Ring-Rotor. Komplexe, fertigungsteure Konstruktion mit unverstellter Werksicht. Beispiele: Audemars Piguet Royal Oak Selfwinding, Vacheron Constantin Overseas.

Vorteile und Grenzen

Vorteile:

  • Tägliches Aufziehen entfällt bei regelmäßigem Tragen.
  • Stabilere Dauergangwerte, da die Feder konstant nahe Voll spannung gehalten wird.
  • Komplikationen wie Ewiger Kalender profitieren von durchgehender Aufzugsspannung.

Grenzen:

  • Bauhöhe größer als beim Handaufzug — selbst bei Mikrorotor-Konstruktionen.
  • Bei sitzender oder zurückhaltender Bewegung können günstigere unidirektionale Werke leerlaufen.
  • Rotorlager als zusätzliches Verschleißteil im Servicefall.

In unserem Atelier in München prüfen wir bei Automatikwerken regelmäßig drei Verschleißbilder: Spiel im Rotorlager (sichtbar als seitliches Wackeln des Rotors), verharzte Aufzugsräder und in Einzelfällen Brüche der Aufzugsraste bei billigerer Vorserien-Konstruktion.

Modelle mit Referenzcharakter

  • Rolex Caliber 3235 — bidirektional, 70 Stunden Gangreserve, Chronergy-Hemmung, in den meisten aktuellen Modellen verbaut.
  • Patek Philippe Caliber 324 S C — Mikrorotor in Gold, in der Nautilus 5711 und weiteren Komplikationen.
  • Omega Caliber 8900 — Co-Axial-Hemmung, Master-Chronometer-zertifiziert, in der Seamaster und Aqua Terra.
  • Audemars Piguet Caliber 7121 — modernisiertes Selbstaufzug-Kaliber der Royal Oak ab 2022.
  • Vacheron Constantin Caliber 5100 — in Vacheron Constantin Overseas, 60 Stunden Gangreserve, Genfer Siegel.

Häufige Fragen

  • Eine durchschnittliche Bürotätigkeit reicht in der Regel aus, um ein modernes bidirektionales Werk in Vollspannung zu halten. Wer überwiegend sitzt oder die Uhr nur abends trägt, sollte mit täglich zwanzig bis dreißig Kronenumdrehungen nachhelfen oder einen Uhrenbeweger einsetzen.

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