Handaufzug
Mechanisches Werk, das ausschließlich durch manuelles Drehen der Krone aufgezogen wird. Älteste Werkbauart der Armbanduhr; in der Premium-Manufaktur weiterhin Ausdruck klassischer Konstruktion mit flachem Aufbau und direktem Krafteinfluss auf das Räderwerk.
Eckdaten
- Antriebsart
- ausschließlich manuell über die Krone
- Typische Frequenz
- 18.000 bis 28.800 Halbschwingungen pro Stunde
- Typische Gangreserve
- 38 bis 80 Stunden, Spitzenwerte bis 10 Tage
- Vorteil Aufbau
- deutlich flacher als Automatik
- Klassiker
- Patek Philippe Calatrava 5196, A. Lange & Söhne 1815, Omega Speedmaster Moonwatch
- Aufzugswelle
- Verschleißteil, in Revisionen kontrollpflichtig
- Empfohlene Revisionsintervalle
- 5 bis 7 Jahre
- Geeignet für
- Trageweise mit täglichem Aufzug, dünne Kleideruhren, klassische Manufaktur-Liebhaber
- Nachteil
- Bei längerer Tragepause bleibt die Uhr stehen
- Servicekosten
- vergleichbar mit Automatikwerk derselben Manufaktur
Ein Handaufzug ist die älteste Bauart der mechanischen Armbanduhr: Das Werk besitzt keinen Rotor, die Zugfeder wird ausschließlich durch manuelles Drehen der Krone gespannt. Was lange als ältere Technologie galt, ist heute in der Premium-Manufaktur ein bewusstes konstruktives Bekenntnis — flacher Aufbau, direkte Kraftübertragung, klare Ablesbarkeit des Werks unter dem Glasboden.
Bauprinzip
Beim Aufziehen treibt die Krone über das Aufzugsräderwerk das Federhaus an, in dem sich die Hauptfeder spannt. Die gespannte Feder gibt ihre Energie über das Räderwerk an die Hemmung ab, die den Gang reguliert. Die Gangreserve eines klassischen Handaufzugswerks liegt typischerweise zwischen 38 und 80 Stunden; moderne Hochleistungskonstruktionen erreichen über doppelte Federhäuser oder größere Federn auch acht bis zehn Tage.
Die Krone steht im Ruhezustand am Gehäuse an und wird zum Aufziehen zwischen Daumen und Zeigefinger gedreht. Bei verschraubter Krone — gängig an wasserdichten Modellen — muss diese vor dem Aufziehen gelöst und nach dem Aufziehen wieder verschraubt werden.
Warum heute noch Handaufzug
Trotz der praktischen Bequemlichkeit der Automatik hat der Handaufzug aus drei Gründen Bestand:
- Konstruktive Flachheit. Ein Handaufzugswerk ohne Rotor baut deutlich niedriger. Bei flachen Kleideruhren — Patek Philippe Calatrava 5196 in Handaufzug, Vacheron Constantin Traditionnelle ultraflach — ist das ein Designargument.
- Direkte Sicht. Ohne Rotor liegt der Werksaufbau unter dem Saphirboden frei. Bei einer A. Lange & Söhne 1815 oder einer Patek 5170G ist genau das das Erlebnis.
- Ritual. Das tägliche Aufziehen ist ein bewusster Kontakt mit der Uhr, den viele Sammler schätzen.
In unserem Atelier in München sehen wir bei Handaufzugswerken regelmäßig drei typische Wartungsfragen: verschlissene Aufzugswelle bei häufiger Bedienung, ausgeleierte Feder bei Werken, die jahrelang nicht aufgezogen wurden, und verharzte Schmierung an Aufzugskupplungen.
Klassische und moderne Beispiele
- Patek Philippe Caliber 215 PS in Calatrava 5196: 18.000 Halbschwingungen, 44 Stunden Gangreserve, ein Modell für flache Eleganz.
- A. Lange & Söhne Caliber L941.1 in 1815: dreiviertel Platine, geschraubte Goldchatons, Beobachtung des klassischen Glashütter Aufbaus.
- Omega Caliber 1861/3861 in Speedmaster Moonwatch: das einzige bis heute zugelassene Werk für bemannte NASA-Außenmissionen.
- Vacheron Constantin Caliber 4400 in Vacheron Constantin Traditionnelle: Genfer Siegel, 65 Stunden Gangreserve.
Pflegehinweise
- Tägliches Aufziegen zur gleichen Tageszeit hält die Feder im optimalen Drehmomentbereich.
- Nicht überspannen. Bei voller Spannung wird ein leichter Widerstand spürbar — weiteres Drehen schadet der Aufzugsmechanik. Hochwertige Werke besitzen Rutschkupplungen, die ein Überspannen verhindern, ältere Konstruktionen nicht.
- Aufzug nicht am Handgelenk. Die seitliche Krafteinwirkung kann die Aufzugswelle belasten. Vor dem Aufziehen die Uhr abnehmen.
- Verschraubte Krone immer wieder festschrauben. Eine offen gelassene Krone gefährdet die Wasserdichtigkeit.
Häufige Fragen
- Bei voller Aufzugskapazität läuft ein Standardwerk 38 bis 48 Stunden, hochwertige Konstruktionen länger. Empfohlen ist tägliches Aufziehen, idealerweise zur gleichen Tageszeit. Wird die Uhr nicht getragen, kann das Aufziehen ohne Schaden ausgesetzt werden — die Feder muss nur vor dem nächsten Tragen wieder gespannt werden.