Oyster
Rolex' patentiertes wasserdichtes Gehäusekonzept, 1926 von Hans Wilsdorf eingeführt. Verschraubter Gehäuseboden, verschraubte Krone und gedichtetes Glas erzeugen eine hermetische Schutzhülle für das Werk — das Gehäuseprinzip, das die moderne Sportuhr begründet hat.
Eckdaten
- Patentanmeldung
- 1926 (Rolex, Hans Wilsdorf)
- Erste Werbeaktion
- Mercedes Gleitze, Ärmelkanal-Schwimm 1927
- Standard-Materialien
- Oystersteel, Edelmetalle, Platin
- Verschraubte Elemente
- Gehäuseboden, Krone, häufig Lünette
- Standard-Druckklassen
- 100 m (Datejust, Day-Date, GMT-Master II, Daytona), 300 m (Submariner, Yacht-Master), 1.220 m (Sea-Dweller), 3.900 m (Deepsea)
- Dichtungssysteme Krone
- Twinlock (zwei Dichtungen), Triplock (drei Dichtungen)
- Erste Anwendung Triplock
- 1970 (Sea-Dweller 1665)
- Markenrecht
- Rolex SA (Oyster ist eingetragene Marke)
Oyster ist der Name, den Hans Wilsdorf 1926 für Rolex' patentiertes wasserdichtes Gehäusekonzept wählte. Drei verschraubte Elemente — Gehäuseboden, Krone und Lünette/Glas — verbinden sich zu einer hermetischen Hülle, die das Werk gegen Wasser, Staub und Druckschwankungen abschirmt. Das Konzept hat die moderne mechanische Sportuhr in ihrer Funktionsweise definiert; jede Submariner, jeder GMT-Master, jede Daytona und jede Datejust baut auf der Oyster-Architektur auf.
Der historische Durchbruch
Vor 1926 waren mechanische Armbanduhren nicht ernsthaft wasserdicht. Wasser und Staub erreichten das Werk durch die Krone, das nicht verschraubte Glas und den meist gerasterten Gehäuseboden. Service-Intervalle waren entsprechend kurz; Wassereinwirkung war ein häufiger Grund für Werksschäden.
Wilsdorf löste das Problem in drei Schritten:
- Verschraubter Gehäuseboden. Anstatt nur eingedrückt zu sein, wird der Boden mit feinem Gewinde in das Mittelteil eingeschraubt. Eine Dichtung in der Gewindenut sorgt für hermetische Trennung.
- Verschraubte Krone. Die verschraubte Krone presst beim Festziehen innere Dichtungen zusammen. Vor Aufzug oder Zeitstellung muss sie aufgeschraubt und danach wieder verschraubt werden.
- Verschraubte Lünette und gedichtetes Glas. Bei der frühen Oyster wurde das Glas in eine verschraubte Lünette eingefasst, die das Gehäuse zusätzlich abdichtete.
Mercedes Gleitze schwamm 1927 mit einer Oyster um den Hals durch den Ärmelkanal. Die Uhr funktionierte nach den über zehn Stunden im Wasser einwandfrei — ein PR-Coup, der die Marke Rolex und das Konzept Oyster international etablierte.
Wie das Konzept heute funktioniert
Die Grundprinzipien sind unverändert; die Details haben sich über fast hundert Jahre verfeinert. Heute besteht ein modernes Oyster-Gehäuse aus:
- Einem aus dem Vollen gefrästen Mittelteil aus Oystersteel, Weißgold, Roségold, Gelbgold oder Platin.
- Einem verschraubten Gehäuseboden mit dünner Dichtung, häufig kantengeriffelt zum Eingriff mit dem Werkzeug.
- Einer verschraubten Krone mit zwei- (Twinlock) oder dreilagigem (Triplock) Dichtungssystem.
- Einem verschraubten und gedichteten Saphirglas, bei Modellen mit Datumsfenster oft mit Cyclop-Lupe.
Die typische Wasserdichtigkeit moderner Oyster-Gehäuse liegt bei 100 Meter (Datejust, Day-Date, GMT-Master II, Daytona), 300 Meter (Submariner, Yacht-Master), 1.220 Meter (Sea-Dweller) und 3.900 Meter (Deepsea).
Oyster jenseits von Rolex
Der Name Oyster ist markenrechtlich Rolex-geschützt; das Konzept hat aber die gesamte Industrie geprägt. Praktisch jede moderne Sport- und Taucheruhr arbeitet mit verschraubtem Gehäuseboden und verschraubter Krone. Omega Seamaster, Tudor Pelagos und Panerai Submersible folgen demselben Grundprinzip in eigener Ausführung.
Auch Tudor — die Schwesterfirma von Rolex — verwendet seit den 1950er Jahren Oyster-Gehäuse, ursprünglich identisch mit Rolex, später in eigener Fertigung mit teilweise abweichenden Spezifikationen.
Service und Druckprüfung
Im Atelier in München gehört der Drucktest zu jedem Service. Eine moderne Rolex wird beim Service auf ihren spezifizierten Druck geprüft; bei einer Submariner sind das 30 bar, bei einer Sea-Dweller 125 bar. Bestehende Uhren ohne Servicehistorie — vor allem Vintage-Stücke — sollten vor dem nächsten Wasserkontakt zumindest grundgeprüft werden. Eine Oyster ist nur so dicht wie ihre jüngste Dichtungserneuerung.
Häufige Fragen
- Praktisch jede Rolex außer einigen Cellini-Modellen ist eine Oyster. Submariner, GMT-Master II, Daytona, Sea-Dweller, Deepsea, Yacht-Master, Datejust, Day-Date, Explorer, Explorer II, Air-King, Sky-Dweller und Oyster Perpetual — alle bauen auf der Oyster-Architektur auf. Rolex' Sub-Marke „Oyster Perpetual" verweist sowohl auf das Gehäusekonzept (Oyster) als auch auf den automatischen Werksaufzug (Perpetual).
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