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Patek Philippe

Patek Philippe World Time, die Weltzeituhr erklärt

Rolex- und Patek-Philippe-Schriftzüge auf den Dächern von Genf

Eine Uhr, die auf einen Blick verrät, wie spät es in Tokio, New York und Sydney ist, ohne dass Sie rechnen müssen: Das ist das Versprechen der Weltzeituhr. Kaum eine Manufaktur ist mit dieser Komplikation so eng verbunden wie Patek Philippe. Die Patek Philippe World Time gehört zu den reizvollsten Uhren der Genfer Marke, weil sie technische Raffinesse, praktischen Nutzen auf Reisen und, bei den Emailausführungen, echtes Kunsthandwerk verbindet.

Dieser Leitfaden erklärt, wie eine Weltzeituhr funktioniert und wer sie erfunden hat. Er stellt die historischen Referenzen und die moderne Kollektion vor, zeigt Schritt für Schritt, wie Sie die Uhr ablesen und einstellen, und ordnet ein, worauf es beim Kauf einer gebrauchten Patek World Time ankommt.

Was eine World Time Uhr leistet

Eine Weltzeituhr, im Englischen World Time oder Worldtimer genannt, zeigt die Uhrzeit aller 24 Hauptzeitzonen der Erde gleichzeitig. Möglich machen das zwei Ringe am Rand des Zifferblatts. Der äußere Städtering trägt 24 Städtenamen, von denen jeder stellvertretend für eine Zeitzone steht. Direkt daneben liegt der 24-Stunden-Ring, der sich einmal am Tag um das Zifferblatt dreht. Neben jeder Stadt lesen Sie auf ihm die aktuelle Stunde dort ab, die Minuten zeigt für alle Zonen derselbe Minutenzeiger.

Die Zeiger in der Mitte zeigen dagegen die Ortszeit, also die Zeit der Stadt, die oben bei 12 Uhr steht. Der 24-Stunden-Ring ist meist in eine helle und eine dunkle Hälfte geteilt, damit Sie sofort erkennen, ob in einer Stadt gerade Tag oder Nacht ist. Uhrmacherisch zählt die Weltzeit zu den nützlichen Komplikationen, den Zusatzfunktionen jenseits der reinen Zeitanzeige.

Louis Cottier und die Erfindung der Weltzeituhr

Die Weltzeituhr in ihrer klassischen Form geht auf Louis Cottier zurück, einen Uhrmacher aus Genf, der das System in den dreißiger Jahren entwickelte. Statt für jede Zeitzone ein eigenes Zeigerwerk zu bauen, koppelte er einen drehenden 24-Stunden-Ring an das Uhrwerk und stellte ihm einen Ring mit Städtenamen gegenüber. Ein einziges Werk genügte damit, um alle Zonen der Welt gleichzeitig abzubilden.

Die Erfindung fiel in eine Zeit, in der Luftverkehr und internationale Verbindungen die Welt spürbar kleiner machten und die Frage, wie spät es anderswo gerade ist, an Gewicht gewann. Patek Philippe erkannte das Potenzial und arbeitete mit Cottier zusammen. Aus dieser Verbindung entstanden die historischen Weltzeituhren der Manufaktur, die heute zu den gesuchtesten Patek-Uhren überhaupt zählen.

Die historischen Weltzeituhren von Patek Philippe

Die erste in Serie gefertigte Weltzeituhr der Manufaktur war die Referenz 1415 HU, die gegen Ende der dreißiger Jahre erschien. Das Kürzel HU steht für Heures Universelles, also Weltzeit, und begleitet die Komplikation bei Patek Philippe bis heute. Die 1415 HU war eine Uhr mit Handaufzug im runden, klassischen Gehäuse, das an die Calatrava erinnert. Den Städtering drehte man bei ihr von Hand über die Lünette, bevor man die Zeiger auf die neue Ortszeit stellte.

In den fünfziger Jahren folgte die Referenz 2523, die das Prinzip verfeinerte. Sie besitzt zwei Kronen, eine für die Uhrzeit und eine zweite, mit der sich der Städtering verstellen lässt. Die 2523 wurde nur in sehr kleiner Zahl gebaut und gilt heute als eine der begehrtesten Armbanduhren der Sammlerwelt, besonders in Ausführungen mit Emailzifferblatt. Nach den sechziger Jahren wurde es um die Weltzeit bei Patek Philippe für lange Zeit still.

Die Rückkehr der Patek World Time mit der 5110

Im Jahr 2000 kehrte die Weltzeit mit der Referenz 5110 in die Kollektion zurück, und mit ihr eine entscheidende Vereinfachung. Bei der 5110 sitzt links am Gehäuse, bei 10 Uhr, ein Drücker. Ein Druck genügt, und Stundenzeiger, Städtering und 24-Stunden-Ring rücken gemeinsam um eine Zeitzone weiter. Der Minutenzeiger bleibt davon unberührt, die Uhr läuft einfach weiter. Was bei den historischen Modellen mehrere Handgriffe verlangte, erledigt hier ein einziger Drücker.

Angetrieben wird die 5110 vom Kaliber 240 HU, einem flachen Automatikwerk mit Mikrorotor. Damit war sie die erste Weltzeituhr der Manufaktur mit automatischem Aufzug. Die 5110 legte das Grundmuster fest, an dem sich die modernen Patek World Time bis heute orientieren: Städtering außen, 24-Stunden-Ring innen, zentrale Zeiger für die Ortszeit und ein Zentrum, das häufig mit Guilloche verziert ist.

Die moderne Kollektion, von der 5130 bis zur 7130

Auf die 5110 folgte die 5130, die das Konzept in einem etwas größeren Gehäuse weiterführte. Mit der 5230 stellte Patek Philippe später eine neu gestaltete Generation vor. Zifferblatt, Zeiger und Gehäuselinie wurden überarbeitet, das Bild wirkt aufgeräumter und moderner, ohne dass sich am vertrauten Ablesesystem etwas ändert.

ReferenzEinordnungBesonderheit
5110Erste moderne GenerationKaliber 240 HU, Drücker bei 10 Uhr
5130Nachfolger der 5110Etwas größeres Gehäuse, gleiches Bedienprinzip
5230Neu gestaltete moderne GenerationÜberarbeitetes Zifferblatt, neu gezeichnete Zeiger
5131EmailausführungCloisonné-Emailzifferblatt mit Kontinent- oder Kartenmotiv
5930World Time ChronographWeltzeit kombiniert mit einem Chronographen
7130Damen-WeltzeituhrFeineres Gehäuse, häufig mit Diamantlünette

Daneben gab und gibt es weitere Ausführungen, etwa mit zusätzlichen Komplikationen. Wie sich die Weltzeit in das Gesamtprogramm einfügt, von der Calatrava bis zu den großen Komplikationen, zeigt der Überblick Welche Patek Philippe kaufen.

Patek Philippe World Time ablesen und einstellen

Das Ablesen ist einfacher, als das dicht beschriftete Zifferblatt vermuten lässt. Die Zeiger zeigen stets die Zeit der Stadt, die bei 12 Uhr steht. Das ist Ihre Ortszeit oder, wenn Sie zu Hause sind, Ihre Heimatzeit. Für jede andere Stadt suchen Sie deren Namen auf dem Städtering und lesen daneben auf dem 24-Stunden-Ring die Stunde ab. Die Minuten übernehmen Sie vom Minutenzeiger, denn sie sind in allen ganzstündigen Zonen gleich.

Die Grundeinstellung

Für die erste Einstellung betätigen Sie den Drücker bei 10 Uhr so oft, bis eine Stadt aus Ihrer aktuellen Zeitzone oben bei 12 Uhr steht. Für München ist das die Stadt, die auf dem Ring für die mitteleuropäische Zone steht. Dann ziehen Sie die Krone und stellen die Zeiger auf die Ortszeit. Achten Sie dabei auf den 24-Stunden-Ring. Neben Ihrer Stadt muss die richtige Stunde einschließlich der Tageshälfte stehen, am Nachmittag also etwa 15 und nicht 3. Zeigt der Ring die falsche Tageshälfte, drehen Sie die Zeiger um zwölf Stunden weiter.

Auf Reisen

Kommen Sie in einer anderen Zeitzone an, drücken Sie, bis die Stadt Ihres Ziels oben steht. Bei jedem Druck springt der Stundenzeiger um eine Stunde vor, Städtering und 24-Stunden-Ring rücken um eine Zone weiter. Der Drücker arbeitet nur in eine Richtung, für die Gegenrichtung drücken Sie entsprechend öfter. Ihre Heimatzeit verlieren Sie dabei nicht, Sie lesen sie jederzeit am 24-Stunden-Ring neben Ihrer Heimatstadt ab.

Zwei Eigenheiten sollten Sie kennen. Der Ring kennt keine Sommerzeit, und weil nicht alle Länder gleichzeitig umstellen, kann die Anzeige für einzelne Städte zeitweise um eine Stunde abweichen. Außerdem lassen sich Zonen mit halbstündigem Versatz auf dem klassischen 24-Zonen-Ring nicht exakt darstellen.

Das Kaliber 240 HU

Das Herz der modernen Weltzeituhren ist das Kaliber 240 HU. Es basiert auf dem Kaliber 240, einem der flachsten Automatikwerke der Manufaktur. Sein Kennzeichen ist der Mikrorotor aus Gold, der nicht über dem ganzen Werk schwingt, sondern in die Werksebene eingelassen ist. Der kleine Rotor spart Bauhöhe und gibt bei Ausführungen mit Sichtboden den Blick auf Brücken und Finissierung frei.

Auf dieses Basiswerk setzt Patek Philippe die Weltzeitmechanik, die Stundenzeiger, Ringe und Drücker miteinander koppelt. Die flache Bauweise erklärt, warum sich die Weltzeituhren trotz ihrer Komplikation so schlank und angenehm tragen. Der Chronograph 5930 nutzt ein eigenes Chronographenwerk mit Weltzeitfunktion, das Grundprinzip der Anzeige bleibt aber dasselbe.

World Time oder GMT, der Unterschied

Weltzeituhren und GMT-Uhren werden oft in einem Atemzug genannt, dabei lösen sie unterschiedliche Aufgaben. Eine GMT-Uhr zeigt neben der Ortszeit eine zweite Zeitzone, meist über einen zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger. Mit einer drehbaren Lünette lässt sich bei manchen Modellen noch eine dritte Zone ablesen. Das bekannteste Beispiel ist die Rolex GMT-Master II, die der Rolex GMT-Master II Guide ausführlich vorstellt.

Die Weltzeituhr geht einen Schritt weiter und zeigt alle 24 Zonen zugleich. Dafür suchen Sie eine bestimmte zweite Zeit erst auf dem Ring, statt sie an einem eigenen Zeiger abzulesen. Wer regelmäßig zwischen zwei festen Orten pendelt, ist mit einer GMT- oder Zweizeitzonenuhr oft praktischer bedient. Wer mit vielen Regionen zu tun hat oder den Überblick über die ganze Welt schätzt, findet in der World Time die elegantere Lösung. Für zwei Zeitzonen hat Patek Philippe übrigens ein eigenes System namens Travel Time, das es etwa in der Nautilus gibt, mehr dazu im Patek Nautilus Guide.

Emailzifferblätter und Métiers d'art

Einen besonderen Rang nehmen die Weltzeituhren mit Cloisonné-Email ein. Bei dieser Technik formt ein Kunsthandwerker die Umrisse von Kontinenten und Meeren mit hauchdünnem Golddraht auf der Zifferblattscheibe. Die so entstandenen Zellen, französisch cloisons, füllt er mit Emailpulver in verschiedenen Farben, anschließend wird das Zifferblatt mehrfach im Ofen gebrannt. Jeder Brand birgt das Risiko, dass das Email reißt oder sich verfärbt, und nicht jedes Zifferblatt übersteht den Prozess.

Die Verbindung von Weltzeit und Email hat bei Patek Philippe Tradition. Schon einige der historischen Referenzen trugen Weltkarten und Kontinente in Email, und gerade diese Stücke ziehen bei Auktionen die größte Aufmerksamkeit auf sich. Moderne Ausführungen wie die 5131 führen diese Linie fort. Sie gehören in den Bereich der Métiers d'art, also der seltenen Handwerkskünste, die Patek Philippe bewusst pflegt. Für Sammler bilden sie eine eigene Kategorie, weil hier nicht nur das Werk, sondern das Zifferblatt selbst als Kunstwerk zählt.

Preise und Markt der Patek Philippe World Time

Die World Time gehört bei Patek Philippe zum Segment der Komplikationen und liegt damit preislich oberhalb der schlichten Dreizeigeruhren. Die meisten Ausführungen sind in Edelmetall gefertigt, was das Niveau zusätzlich prägt. Im Gebrauchtmarkt hängt der Preis vor allem von Referenz, Material, Zifferblatt, Zustand und Vollständigkeit ab.

Grob lässt sich der Markt in drei Ebenen ordnen. Die Standardausführungen der 5110, 5130 und 5230 mit klassischem Zifferblatt bilden den zugänglichsten Teil. Darüber liegen die Emailversionen wie die 5131 und Kombinationen mit weiteren Komplikationen, die meist deutlich höher gehandelt werden. An der Spitze stehen die historischen Referenzen 1415 HU und 2523, vor allem mit Emailzifferblatt. Sie wechseln als Raritäten fast ausschließlich bei großen Auktionen den Besitzer und zählen dort zu den gefragtesten Patek-Uhren.

Wie sich Listenpreise und Sekundärmarkt bei der Marke insgesamt verhalten und welche Faktoren den Wert bewegen, ordnet der Beitrag Patek Philippe Preise ein.

Eine gebrauchte Patek World Time kaufen, worauf achten

Die Komplikation bringt beim Kauf einige eigene Prüfpunkte mit.

  • Papiere und Herkunft. Zertifikat, Box und Kaufbeleg erhöhen Sicherheit und Wiederverkaufswert. Bei älteren Stücken kann ein Archivauszug der Manufaktur die ursprüngliche Ausführung bestätigen.
  • Servicehistorie. Belege über Revisionen beim Hersteller oder einer qualifizierten Werkstatt zeigen, wie die Uhr gepflegt wurde.
  • Funktion des Drückers. Jeder Druck bei 10 Uhr sollte sauber einrasten. Stundenzeiger, Städtering und 24-Stunden-Ring müssen gemeinsam um genau eine Zone weiterrücken, der Minutenzeiger darf sich dabei nicht bewegen. Prüfen Sie einmal den vollen Umlauf durch alle 24 Städte.
  • Ausrichtung der Ringe. Städte und Stunden des 24-Stunden-Rings sollten exakt zueinander stehen. Ein Versatz deutet auf ein Problem in der Mechanik hin.
  • Zustand des Zifferblatts. Achten Sie auf saubere Drucke der Städtenamen und bei Email auf feine Haarrisse oder Abplatzer, die sich kaum unsichtbar beheben lassen. Klären Sie, ob es sich um das Originalzifferblatt oder einen späteren Ersatz handelt.
  • Gehäuse. Starke Politur verändert Kanten und Proportionen, gerade bei Gehäusen aus Edelmetall.

Hinweise zu Revision und Wartung finden Sie unter Patek Philippe Service. Eine Auswahl an Uhren der Marke finden Sie in der Kollektion Patek Philippe Uhren.

Patek Philippe bei Time Boutique

Ausgewählte Stücke der Manufaktur finden Sie in unserer Patek-Philippe-Kollektion, jede Uhr in unserer eigenen Werkstatt in München geprüft.

Eine World Time ist selten sofort verfügbar. Suchen Sie eine bestimmte Referenz oder ein Emailzifferblatt, finden wir sie für Sie. Sprechen Sie uns an.

Für Ihre eigene Patek Philippe übernehmen wir Service und Revision und den Ankauf.

Häufige Fragen

Was ist eine Patek Philippe World Time?

Es ist die Weltzeituhr der Genfer Manufaktur, die mit Städtering und 24-Stunden-Ring die Uhrzeit aller 24 Zeitzonen gleichzeitig zeigt. Die Zeiger geben die Ortszeit der Stadt bei 12 Uhr an, alle anderen Zonen lesen Sie am Ring ab.

Wer hat die Weltzeituhr erfunden?

Das klassische System geht auf den Genfer Uhrmacher Louis Cottier zurück, der es in den dreißiger Jahren entwickelte. Patek Philippe arbeitete mit ihm zusammen und baute auf dieser Grundlage die historischen Referenzen 1415 HU und 2523.

Was bedeutet HU bei Patek Philippe?

HU steht für Heures Universelles, französisch für Weltzeit. Das Kürzel findet sich bei den historischen Referenzen ebenso wie beim modernen Kaliber 240 HU.

Wie stellt man eine Patek Weltzeituhr ein?

Betätigen Sie den Drücker bei 10 Uhr, bis eine Stadt Ihrer Zeitzone oben steht, und stellen Sie dann über die Krone die Ortszeit ein. Achten Sie darauf, dass der 24-Stunden-Ring neben dieser Stadt die richtige Tageshälfte zeigt.

Was ist der Unterschied zwischen World Time und GMT?

Eine GMT-Uhr zeigt eine zweite, bei manchen Modellen auch eine dritte Zeitzone, meist über einen eigenen Zeiger. Eine Weltzeituhr zeigt alle 24 Zonen gleichzeitig, verlangt dafür aber einen kurzen Blick auf den Städtering.

Welcher Patek Worldtimer eignet sich für den Einstieg?

Für viele sind die 5110, 5130 oder 5230 mit klassischem Zifferblatt der naheliegende Einstieg, weil sie das Bedienprinzip unverfälscht zeigen und sich gut tragen. Wer Kunsthandwerk sucht, schaut auf Emailversionen wie die 5131, wer eine Damenuhr sucht, auf die 7130.

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Verfasst vonMatthiasMünchen · 21. Oktober 2026
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