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Time Boutique München
Komplikationen

Tachymeter

Skala an der Lünette oder am Rehaut eines Chronographen zur Messung von Durchschnittsgeschwindigkeiten über eine feste Strecke. Mit dem Chronographen wird die Zeit für eine bekannte Distanz gestoppt; die Skala zeigt direkt die Geschwindigkeit in Einheiten pro Stunde an.

Eckdaten

Funktion
Anzeige der Durchschnittsgeschwindigkeit über eine feste Strecke
Mathematische Basis
Geschwindigkeit = Strecke / Zeit
Skalenbereich typisch
60 bis 400 oder 500 Einheiten/Stunde
Erforderlich
Chronograph mit Sekundenzeiger
Position klassisch
feste Lünette oder Rehaut
Einheit
ergibt sich aus der vor Messung definierten Strecke
Rolex-Modell
Daytona als Tachymeter-Referenz

Ein Tachymeter (international tachymeter) ist eine Skala an der Lünette oder am Rehaut eines Chronographen, mit der die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine feste Strecke abgelesen wird. Der Träger startet den Chronographen am Beginn der Strecke und stoppt ihn am Ende; der Sekundenzeiger zeigt anschließend auf der Tachymeterskala direkt die Geschwindigkeit in Einheiten pro Stunde an — meist Kilometer pro Stunde oder Meilen pro Stunde.

Die Skala stammt aus den frühen Tagen des Automobil- und Flugsports, als verlässliche Geschwindigkeitsmesser auf dem Fahrzeug selten waren und der Fahrer oder Pilot über Streckenmessung mit der Stoppuhr Geschwindigkeiten ermittelte.

Wie sie funktioniert

Das Prinzip ist eine direkte mathematische Umsetzung der Grundformel: Geschwindigkeit = Strecke / Zeit. Wenn die Strecke fest auf 1 Kilometer (oder 1 Meile) definiert ist, hängt die Geschwindigkeit nur noch von der gestoppten Zeit ab. Die Tachymeterskala ist eine logarithmische Darstellung dieser Beziehung:

  • 60-Sekunden-Marke = 60 Einheiten/Stunde. Eine Strecke von einem Kilometer in 60 Sekunden zurückgelegt entspricht 60 km/h.
  • 30-Sekunden-Marke = 120 Einheiten/Stunde. In 30 Sekunden = 120 km/h.
  • 15-Sekunden-Marke = 240 Einheiten/Stunde. In 15 Sekunden = 240 km/h.

Die meisten Tachymeterskalen beginnen bei etwa 60 (entsprechend einer Sekunde Messzeit pro Minutenmarke) und enden bei 400 oder 500 (knapp neun Sekunden Messzeit). Unterhalb von 60 ist die Skala mathematisch nicht mehr eindeutig, weil eine Messung länger als eine Minute dauern würde — der Sekundenzeiger hat dann mehr als eine Umdrehung absolviert.

Welche Einheit gemessen wird

Die Tachymeterskala selbst ist einheitenlos. Wer die Strecke vorher in Kilometern definiert hat, liest km/h ab. Wer die Strecke in Meilen definiert hat, liest mph. Wer die Strecke in Seemeilen definiert hat, liest Knoten. Die Skala funktioniert auch für andere Einheiten pro Stunde — Produktionsleistung in Stück pro Stunde, Pulsfrequenz in Schlägen pro Minute, sofern die Strecke entsprechend definiert ist.

Wo sie zu finden ist

Klassische Position: an der festen Lünette eines Chronographen. Die Rolex Daytona trägt die Skala an einer separat eingesetzten Stahl- oder Keramiklünette, die Omega Speedmaster ebenfalls an einer eingravierten oder aufgesetzten Lünette. Bei anderen Modellen liegt die Skala innen am Rehaut zwischen Zifferblatt und Glas (Patek Philippe 5170, manche Audemars Piguet Royal Oak Chronographen).

Welches Modell trägt sie:

  • Rolex Daytona 6263, 16520, 116520, 116500LN, 126500LN — die Daytona ist faktisch das Tachymeter-Modell.
  • Omega Speedmaster Moonwatch seit 1957 — die Tachymeterskala ist konstantes Erkennungsmerkmal.
  • Patek Philippe Ref. 5170, 5172, Nautilus Chronograph 5980 — Skala am Rehaut.
  • Audemars Piguet Royal Oak Chronograph 26331, Royal Oak Offshore Chronograph.
  • Cartier Santos Chronograph (in einigen Konfigurationen).

Praktischer Nutzen heute

Im Alltag ist der Tachymeter funktional kaum mehr relevant. Niemand misst seine Autogeschwindigkeit per Stoppuhr — das Tachosystem im Wagen oder im Smartphone liefert die Daten unmittelbar. Die Skala bleibt aber als Designsignatur der Chronographen-Tradition erhalten und ist auf Sportreferenzen so etabliert wie die Datumslupe auf der Datejust.

In unserem Atelier in München sehen wir den Tachymeter trotzdem aktiv genutzt: Kunden lassen Lap-Zeiten auf der Rennstrecke (Hockenheim, Nürburgring) ablesen, manche nutzen die Skala zum Ermitteln der Stundenleistung bei wiederkehrenden Arbeitsschritten. Auch im Yachtsport ist die Skala für Streckenmessungen einsetzbar.

Service und Echtheit

Bei Daytona-Modellen ist die Tachymeterlünette ein zentrales Echtheitsmerkmal. Schriftbild, Farbgebung der Skala (Stahl-Reliefgravur, weiß ausgelegte Cerachrom-Skala) und das Verhältnis der Ziffern zur Stundenmarkierung folgen strikten Manufakturkonventionen. Eine ausgetauschte oder nachgestempelte Lünette an einer Vintage-Daytona ist wertmindernd; bei aktuellen Cerachrom-Daytonas tauschen wir Lünetten nur über die zertifizierte Rolex-Werkstatt.

Bei Omega Speedmaster-Modellen variiert die Lünettenbeschriftung historisch — frühe Referenzen tragen „Base 1000", spätere „Tachymètre" auf Französisch oder Englisch. Die Detailtypografie hilft, das Produktionsjahr einzugrenzen.

Häufige Fragen

  • Definieren Sie vor der Messung eine feste Strecke (typisch 1 km oder 1 Meile). Starten Sie den Chronographen am Streckenbeginn, stoppen Sie ihn am Streckenende. Lesen Sie ab, wo der Chronograph-Sekundenzeiger auf der Tachymeterskala stehengeblieben ist — das ist Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit in der vorher definierten Einheit pro Stunde.

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