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Time Boutique München
Wasserdichtigkeit

Wasserdichtigkeit

Die für eine Uhr ausgewiesene Druckbeständigkeit gegen Wasser, in Metern, Bar oder ATM angegeben. Die Angaben sind Laborwerte und entsprechen nicht direkt einer Tiefe, in der die Uhr sicher getragen werden kann. Diese Lücke ist im Verkaufsgespräch zentral.

Eckdaten

Einheiten
Meter, Bar, ATM (austauschbar)
Norm
ISO 22810:2010
Labortest
statischer Druck
Realbelastung
dynamisch, lokal höher
Schlüsselbauteile
Bodendichtung, Kronendichtung, Glasdichtung, Drücker
Service-Intervall Dichtungstausch
alle 4 bis 6 Jahre empfohlen
Drucktest nach Service
Pflicht

Wasserdichtigkeit (international water resistance) bezeichnet die ausgewiesene Druckbeständigkeit einer Uhr, in Metern, Bar oder ATM angegeben. Die Werte stammen aus standardisierten Labortests unter statischem Druck — und sind eine der am häufigsten missverstandenen Spezifikationen im Endkundenhandel.

Die Norm ISO 22810:2010 definiert das Prüfverfahren: Die Uhr wird im Wasserbad mit dem Nenndruck beaufschlagt und auf Eintritt geprüft. Eine bestandene Prüfung sagt, dass die Uhr im Auslieferungszustand statisch dicht war. Sie sagt nichts über dynamische Belastung, Alterung, Dichtungsverhärtung oder die Belastung beim Sprung ins Wasser.

Was die Angaben wirklich bedeuten

Branchen-Konventionen für die Stufen:

  • 3 Bar / 30 m. Spritzwassergeschützt. Sicher bei Regen, Händewaschen. Nicht zum Schwimmen.
  • 5 Bar / 50 m. Leichtes Schwimmen in stehendem Wasser. Nicht zum Tauchen oder Duschen.
  • 10 Bar / 100 m. Schwimmen, Schnorcheln, Wassersport.
  • 20 Bar / 200 m. Sporttauchen in Freizeittiefe.
  • 30 Bar / 300 m und mehr. Professionelle Tauchtiefen. Submariner, Sea-Dweller, Seamaster Diver, Tudor Pelagos.

Die Lücke zwischen Tiefenangabe und sicher nutzbarer Tiefe entsteht durch dynamische Drücke im realen Einsatz: Sprung ins Wasser, Schwimmzüge, gerichtete Wasserstrahlen. Eine 3-Bar-Uhr in der Dusche kann versagen, weil der Duschstrahl punktuell 4 bis 5 Bar erreicht.

Worauf die Dichtigkeit beruht

Vier Komponenten bilden zusammen die Druckdichtigkeit einer Uhr:

  • Gehäusedichtung am Boden. Ein Dichtungsring zwischen Gehäuse und Boden, geschraubt oder gepresst. Verhärtet mit den Jahren — Standardtausch bei jedem Service.
  • Kronendichtung. Bei verschraubten Kronen (Rolex Twinlock, Triplock, Omega Naiad Lock) eine doppelte oder dreifache Dichtung. Bei nicht verschraubten Kronen ein einzelner Ring, anfälliger.
  • Glasdichtung. Zwischen Glas und Gehäuserand, häufig ein O-Ring. Stoßempfindlich — ein verschobenes Glas dichtet nicht mehr.
  • Drücker- und Ventildichtungen. Bei Chronographen und Uhren mit Helium-Ventil zusätzliche Druckstellen.

Jeder Manufaktur-Service tauscht diese Dichtungen pauschal und drucktestet die Uhr im Anschluss. Wer eine Uhr seit 5+ Jahren nicht gewartet hat, kann von der ausgewiesenen Wasserdichtigkeit nicht mehr ausgehen — unabhängig vom Zifferblattaufdruck.

Warum der Verkauf das thematisieren muss

In unserem Atelier in München erleben wir drei wiederkehrende Konfliktmuster:

  • Reklamation nach Dusche. Kunde mit 3-Bar-Uhr unter heißer Dusche, anschließend Kondenswasser unter dem Glas. Schadenfall liegt am Kunden — die Spezifikation war eingehalten. Vor dem Verkauf muss die Konvention erklärt werden.
  • Reklamation nach Schwimmbad. Kunde mit 5-Bar-Uhr in aktivem Schwimmen, plötzlicher Wasserzutritt. Die 5-Bar-Stufe ist auf ruhiges Schwimmen ausgelegt, nicht auf Kraulen mit Köpfern. Auch hier ist die Information vor dem Verkauf entscheidend.
  • Reklamation bei Vintage. Kunde mit 50 Jahre alter Datejust nach Strandurlaub. Die werkseitige 10-Bar-Angabe gilt für 1972, nicht 2026 ohne Drucktest. Vor jedem Wasserkontakt einer ungewarteten Vintage-Uhr ist ein Drucktest Pflicht.

Offenlegung beim Verkauf

Bei gebrauchten Uhren ist die verantwortungsvolle Praxis, die Wasserdichtigkeit vor dem Verkauf zu prüfen und das Ergebnis offen zu legen:

  • „Druckgeprüft bis Nennwert, [Datum]." Stärkste Zusage.
  • „Druckgeprüft bis 5 Bar, [Datum]." Wenn die Nenntiefe nicht bestätigt werden konnte (typisch bei Vintage-Stücken).
  • „Nicht druckgeprüft. Behandeln wie nur spritzwassergeschützt." Ehrliche Position bei nicht servierter Bestandsware.

Die Originalangabe einer gebrauchten Uhr ohne aktuellen Test zu zitieren, ist die häufigste Streitquelle bei Rückgaben. Wir vermeiden das konsequent.

Häufige Fragen

  • 1 Bar entspricht 10 Metern statischer Wassersäule, 1 ATM ist 1,013 Bar — praktisch identisch. Die drei Einheiten werden in der Uhrenwerbung austauschbar verwendet. In Europa dominiert Bar, in den USA und Japan die Meter-Angabe.

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