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Komplikationen

Tourbillon

Eine 1795 von Abraham-Louis Breguet entwickelte Komplikation, bei der Hemmung und Unruh in einem rotierenden Käfig sitzen — die durch die Schwerkraft verursachten Lagenfehler werden so statistisch ausgemittelt.

Eckdaten

Erfinder
Abraham-Louis Breguet
Patent
26. Juni 1801 (Brevet Nr. 157)
Entwicklungsbeginn
1795
Standardrotation
eine Umdrehung pro Minute
Erstes fliegendes Tourbillon
Alfred Helwig, 1920
Mehrachsige Varianten
zwei oder drei unabhängige Achsen
Typisches Käfiggewicht
unter 0,5 g
Einstiegspreis Serie
ab etwa 40.000 €
Spitzenkategorie
über 1 Mio. € pro Stück

Ein Tourbillon ist eine Komplikation, bei der Hemmung und Unruh einer mechanischen Uhr in einem rotierenden Käfig gelagert sind. Der Käfig vollführt typischerweise eine Umdrehung pro Minute und gleicht so die positionsabhängigen Gangabweichungen aus, die die Schwerkraft auf das Regulierorgan ausübt.

Warum es erfunden wurde

Abraham-Louis Breguet ließ das Tourbillon 1801 patentieren; die Entwicklung begann 1795. Taschenuhren ruhten den größten Teil des Tages in der Westentasche — also vertikal, in einer konstanten Lage. Die Schwerkraft wirkte gleichgerichtet auf die Unruh und verursachte einen positionsabhängigen Gangfehler. Der rotierende Käfig durchläuft jede vertikale Position einmal pro Minute und mittelt den Gravitationseinfluss damit aus.

Warum es heute weiter gebaut wird

Eine Armbanduhr ruht nicht in einer einzigen Lage, wie es eine Taschenuhr tat. Das ursprüngliche Problem, das das Tourbillon adressiert, ist bei modernen Armbanduhren weitgehend hinfällig. Trotzdem wird die Komplikation weiter produziert — aus drei Gründen:

  • Handwerkliches Signal. Ein Tourbillon gehört zu den anspruchsvollsten Komplikationen in Fertigung und Finissierung; der Käfig wird teils aus über sechzig Einzelteilen aufgebaut und wiegt im Endmaß weniger als ein halbes Gramm.
  • Visuelles Interesse. Der drehende Käfig ist durch ein Fenster im Zifferblatt sichtbar und gibt der Uhr eine ständige Bewegung.
  • Traditionspflege. Hochwertige Manufakturen (Patek Philippe, Audemars Piguet, Vacheron Constantin, A. Lange & Söhne, Greubel Forsey) bauen Tourbillons als Teil ihrer Markenidentität.

Varianten

  • Fliegendes Tourbillon. Der Käfig ist nur von unten gelagert. Die obere Fläche bleibt offen, die Rotation wird besser sichtbar. Entwickelt 1920 von Alfred Helwig an der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte.
  • Mehrachsiges Tourbillon. Der Käfig rotiert auf zwei oder drei voneinander unabhängigen Achsen — etwa bei Greubel Forsey oder Girard-Perregaux.
  • Dreiachsiges Tourbillon. Die komplexeste Bauform, primär eine Demonstration handwerklichen Vermögens.
  • Karussell. Eine vereinfachte Vorform, von Bahne Bonniksen 1892 patentiert. Im Sprachgebrauch oft mit dem Tourbillon vermischt, konstruktiv aber eigenständig.

Preisliche Einordnung

Ein Tourbillon vervielfacht den Preis einer Uhr gegenüber einer vergleichbaren Referenz ohne Tourbillon — je nach Manufaktur um das Fünf- bis Hundertfache. Moderne Einstiegsmodelle beginnen bei etwa 40.000 €; die obere Grenze der Kategorie überschreitet eine Million Euro pro Stück. Vintage-Tourbillons aus der Periode 1900–1960 sind Auktionsware mit eigener Marktdynamik.

In unserem Bestand

Tourbillons erreichen unser Atelier in München regelmäßig — meist als Konsignation oder im Rahmen einer Sammlungsumstrukturierung. Jede Komplikation wird vor der Vermittlung intern geprüft. Sprechen Sie uns an, wenn Sie eine bestimmte Referenz suchen oder ein Stück bewerten lassen möchten.

Verwandte Begriffe: Ewiger Kalender, Chronograph, Calatrava.

Häufige Fragen

  • In der Praxis nur marginal. Das Tourbillon wurde für vertikal getragene Taschenuhren entwickelt, die über lange Zeiträume in einer Lage ruhen. Eine Armbanduhr wechselt die Position ständig, sodass sich Gravitationsfehler im Tagesverlauf ohnehin teilweise ausmitteln. Zertifizierte Tourbillon-Werke erreichen Chronometerwerte, vergleichbare Werke ohne Tourbillon aber genauso. Der Mehrwert liegt heute primär in Konstruktion, Finissierung und Sichtbarkeit, nicht in messbarer Präzision.

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