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Markt & Sammeln

NOS (New Old Stock)

Eine ältere oder eingestellte Referenz, die nie verkauft, nie getragen und nie gewartet wurde — seit dem Verlassen der Manufaktur in Originalzustand und Originalverpackung verblieben. Häufig noch mit Schutzaufklebern.

Eckdaten

Bedingung 1
nie an Endkunde verkauft
Bedingung 2
nie getragen, Werk im Auslieferungszustand
Bedingung 3
Originalverpackung und Sticker vorhanden
Typischer Aufschlag über Full Set
30 % bis 100 %
Auftreten
meist eingestellte Referenzen 1980er–2010er
Beispielreferenzen
Submariner 16610LV, GMT-Master 16710, Nautilus 5711
Erkennung Sticker
Vergilbung, Klebstoffalterung, Trägermarken
Werks-Erstservice
kann bei Nutzungsbeginn nötig sein

NOS steht für New Old Stock. Es bezeichnet eine Uhr aus einer älteren oder eingestellten Produktion, die nie an einen Endkunden verkauft, nie getragen und nie gewartet wurde — und die seit der Auslieferung durch die Manufaktur in Originalverpackung verblieben ist. Die Referenz ist keine aktuelle Serie mehr; das einzelne Exemplar ist in jeder messbaren Hinsicht neu.

Was eine Uhr zu NOS macht

Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit der Begriff legitim greift:

  • Nie getragen. Keine Spuren an Bandanstößen, Armband oder Boden. In den meisten Fällen sind die Schutzaufkleber des Konzessionärs noch angebracht.
  • Nie gewartet. Das Uhrwerk befindet sich exakt im Auslieferungszustand. Bei mechanischen Uhren ist das ein zweischneidiger Punkt — die Öle altern, und vor dauerhafter Nutzung ist ein Service empfehlenswert.
  • Originalverpackung vollständig. Box, Papiere, sämtliches Beistück (Full Set) und idealerweise der Original-Händleraufkleber.

Eine Submariner 16610 von 1995, die im Jahr ihrer Auslieferung gekauft, dreißig Jahre im Tresor verwahrt und heute als Full Set mit angebrachten Stickern auftaucht, ist NOS. Dieselbe Uhr, vereinzelt in diesen Jahren getragen, ist „mint" oder ungetragen, aber nicht NOS.

Warum NOS einen Aufschlag erzielt

NOS-Exemplare eingestellter Referenzen sind zeitlich begrenzt — sie lassen sich nicht mehr erzeugen. Wer eine geschlossene Referenzgeschichte aufbaut, erkennt im NOS-Status die Spitzenstufe. Auktionshäuser markieren NOS regelmäßig in Katalogen. Der Aufschlag gegenüber einem getragenen Full Set bewegt sich häufig zwischen 30 und 100 Prozent.

Bei besonders begehrten Pre-Cerachrom-Modellen — Submariner 16610LV „Kermit" als NOS, GMT-Master 16710 mit Aluminiumlünette in NOS — sind Aufschläge von Faktor zwei gegenüber einem unauffälligen Sammelstück nicht ungewöhnlich.

Was NOS nicht heißt

Vorsicht bei Inseraten, die NOS angeben, obwohl sichtbare Service-Teile verbaut sind. Echtes NOS bedeutet, dass seit der Herstellung nichts verändert wurde. Ein Service-Zifferblatt, ein nachgerüstetes Armband, ein poliertes Gehäuse — jede einzelne dieser Spuren schließt den Status aus. Die Uhr kann trotzdem in Top-Zustand sein; sie ist dann jedoch „mint" oder „ungetragen, nach Service", nicht NOS.

Ein weiteres häufiges Missverständnis betrifft die Werksrevision durch die Manufaktur. Eine Uhr, die im Rahmen einer „Werkszertifizierung" geöffnet, geprüft und in den ursprünglichen Auslieferungszustand zurückgeführt wurde, ist nicht mehr NOS — der Eingriff ist dokumentiert und das Werk wurde geölt.

Risiken beim Ankauf

NOS-Status hebt den Preis spürbar und zieht entsprechend Fälschungen an. Die typischen Prüfpunkte:

  • Sticker-Echtheit. Originalsticker des Konzessionärs altern sichtbar (vergilbtes Trägerpapier, brüchige Ränder). Frisch aufgeklebte „Schutzfolien" auf einer Vintage-Referenz sind ein Warnsignal.
  • Konsistenz der Dokumentation. Garantiekarte, Papiere, Box-Codes und Seriennummer müssen ein einheitliches Lieferdatum belegen.
  • Werks-Zustand. Wer in eine NOS-Vintage-Uhr investiert, sollte das ungeöffnete Werk akzeptieren — eine vermeintliche „Service-Quittung" für ein NOS-Stück widerspricht dem Status.

In unserem Atelier in München

Wenn ein NOS-Stück zum Ankauf angeboten wird, prüfen wir im Atelier den Werkstand, die Stickerauthentizität und die Übereinstimmung sämtlicher Codes. Bei Ankauf belassen wir die Schutzfolien, dokumentieren den Zustand und übergeben das Stück unverändert an den nächsten Besitzer — der NOS-Status ist ein einmaliges Gut und kann nur verloren, nie wiederhergestellt werden.

Häufige Fragen

  • Bei mechanischen Uhren, die zwanzig Jahre oder länger gelagert wurden, ist eine Werksrevision vor Dauerbetrieb empfehlenswert — die Öle sind ausgetrocknet, Dichtungen können brüchig sein. Damit verliert das Stück formal den NOS-Status. Viele NOS-Käufer entscheiden sich daher gegen das Tragen und behalten die Uhr als geschlossenes Sammelobjekt. Wer tragen möchte, akzeptiert den Service als notwendigen Schritt.

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