Cerachrom
Das von Rolex entwickelte Keramikmaterial für Lünetteneinsätze, eingeführt 2005. Kratzfest und farbstabil — Nachfolger der eloxierten Aluminiumlünetten älterer Sportreferenzen.
Eckdaten
- Einführung
- 2005 (GMT-Master II 116718LN)
- Material
- gesintertes Zirkoniumdioxid
- Härte
- Mohs 9 (nur Diamant ist härter)
- Gravurfüllung
- Platin oder Gold (PVD-Beschichtung)
- Erste Submariner
- 116610LN (2010)
- Erste Daytona
- 116500LN (2016)
- Erste zweifarbige
- 116719BLRO Pepsi (2014)
- Markenrecht
- Rolex SA (registriert)
Cerachrom ist das von Rolex entwickelte Keramikmaterial für Lünetteneinsätze, eingeführt 2005 auf der GMT-Master II Referenz 116718LN. Es ersetzte über die folgenden Jahre die Aluminiumlünetten älterer Sportmodelle: die Submariner folgte 2010, die Daytona 2011, die zweifarbigen GMT-Modelle 2014.
Warum Keramik
Eloxierte Aluminiumlünetten — Standard bei Rolex-Sportmodellen von 1953 bis Mitte der 2000er — hatten zwei strukturelle Schwächen:
- Kratzempfindlichkeit. Aluminium ist weich; ein versehentlicher Stoß gegen einen Türrahmen hinterlässt eine sichtbare Spur.
- Farbverlust. UV-Strahlung verändert eloxiertes Aluminium im Lauf der Jahre. Die heute begehrten „Ghost"-Lünetten verblasster Submariner-Referenzen entstanden ursprünglich als Service-Problem, nicht als Designentscheidung.
Cerachrom löst beide. Bei normalem Tragen ist das Material praktisch kratzfest — nur Diamant oder andere keramische Schleifmittel hinterlassen Spuren. Die Farbe ist Teil der Materialmatrix, nicht aufgetragen, und bleibt unter UV-Belastung stabil.
Wie es gefertigt wird
Die Keramik wird bei hoher Temperatur gesintert. Anschließend wird die Skala — 24 Stunden, Taucher-Minuterie oder Tachymeter — in die Oberfläche eingraviert. Die Gravur wird im PVD-Verfahren mit Platin oder Gold gefüllt; die Ziffern reflektieren Licht anders als die umgebende Keramik und bleiben über die gesamte Lebensdauer der Uhr lesbar.
Zweifarbige Varianten
Pepsi (rot-blau, BLRO), Batman (schwarz-blau, BLNR), Coke (rot-schwarz), Root Beer (braun-schwarz), Sprite (grün-schwarz) — alles zweifarbige Cerachrom-Konfigurationen. Die fertigungstechnische Herausforderung besteht darin, zwei Keramikfarben ohne sichtbare Trennlinie zu verbinden. Rolex brennt die Lünette zunächst in einer Farbe und konvertiert anschließend einen Halbkreis chemisch in die zweite Farbe. Die Pepsi GMT-Master II 116719BLRO von 2014 war die erste serienreife zweifarbige Cerachrom-Lünette.
Was das für den Sekundärmarkt bedeutet
Pre-Cerachrom-Referenzen (Aluminiumlünetten) werden zunehmend gesammelt. Eine 116710LN — zur Zeit ihrer Produktion ein Standardmodell — ist heute ein Übergangsstück. Die direkte Vorgängerin 16710 mit Aluminiumlünette steht inzwischen klar im Vintage-Segment mit wachsendem Aufschlag.
In unserem Atelier in München sehen wir täglich beide Generationen. Bei Service oder Ankauf einer Pre-Cerachrom-Referenz wird die Lünette nicht ersetzt, wenn die Patina noch homogen ist — der Charakter der Uhr lebt darin.
Jenseits von Rolex
Auch Omega, Tudor, Breitling und andere Marken verwenden Keramiklünetten. „Cerachrom" hingegen ist die geschützte Marke der Rolex SA. Wenn in einer Anzeige „Cerachrom" steht, ist die Uhr eine Rolex — andernfalls handelt es sich um eine andere Keramik-Komposition.
Häufige Fragen
- Nein. Das Material ist gesintert, nicht beschichtet — Polieren würde die Oberfläche abtragen und ihre charakteristische Glasur mattieren. Bei einem tiefen Kratzer oder einer Beschädigung wird die Lünette nicht aufgearbeitet, sondern als Komplettteil ausgetauscht. Wir vermitteln Original-Rolex-Ersatzteile über unsere zertifizierte Werkstatt.