Mondphase
Komplikation, die die aktuelle Mondphase über ein halbmondförmiges Fenster im Zifferblatt zeigt. Eine darunter liegende Scheibe mit zwei Monden dreht sich pro Tag um eine Kerbe weiter — Neumond, zunehmend, voll, abnehmend, über 29,5 Tage.
Eckdaten
- Funktion
- Anzeige der Mondphase über synodischen Monat (29,5 Tage)
- Standardschaltrad
- 59 Zähne, Genauigkeit ein Tag pro 2,5 Jahre
- Präzisionsvariante
- 132 oder 135 Zähne, Fehler ein Tag in 122 Jahren oder mehr
- Klassische Position
- 6 Uhr
- Korrektor
- versenkter Drücker am Gehäuserand
- Schutzzone
- meist zwei Stunden um Mitternacht
- Häufige Kombination
- Ewiger Kalender, Jahreskalender, Datum
Die Mondphase (international moonphase) ist die astronomische Komplikation, die die aktuelle Phase des Mondes auf dem Zifferblatt anzeigt — Neumond, zunehmender Mond, Vollmond, abnehmender Mond. Sie erscheint klassisch in einem halbmondförmigen Ausschnitt bei 6 Uhr, häufig unter dem Logo des Herstellers oder über einem Datumssegment.
Wie sie funktioniert
Unter dem Zifferblatt rotiert eine Scheibe mit zwei symmetrisch angebrachten Monden und dazwischenliegendem Sternenhimmel. Die Scheibe wird über ein Schaltrad einmal pro Tag um eine Kerbe weiterbewegt. Jeder Mond erscheint, nimmt zu, wird voll, nimmt ab und verschwindet über 29,5 Tage — den synodischen Mondmonat, also die Zeit zwischen zwei Vollmonden von der Erde aus gesehen.
Das Standardschaltrad hat 59 Zähne, was 29,5 Tagen entspricht, weil zwei Monde auf der Scheibe sitzen. Diese Standardausführung gewinnt oder verliert etwa einen Tag pro 2,5 Jahre gegenüber der tatsächlichen Mondbewegung. Astronomisch präzisere Lösungen verwenden 132 oder 135 Zähne und reduzieren den Fehler auf einen Tag in 122 Jahren oder länger. Die Patek Philippe Ref. 5396 mit Jahreskalender und Mondphase nutzt eine solche höherzahnige Ausführung.
Ästhetische Rolle
Die Mondphase ist traditionell die dekorativste Stelle eines Zifferblatts. Handgemalte Sterne, getriebene oder gravierte Mondreliefs, Hintergründe aus Aventuringlas oder Perlmutt, Hochglanzlackierungen — die Mondscheibe ist Schaufläche der Manufakturarbeit. Bei Patek Philippe ist die Scheibe traditionell vergoldetes Messing mit eingestanzten Sternen; A. Lange & Söhne verwendet eine in Glas eingebettete Beschichtung mit über 1.100 Sternen.
Welche Uhren tragen sie
Die klassische Platzierung der Mondphase liegt bei 6 Uhr, häufig kombiniert mit einer Datumsanzeige, einem Jahreskalender oder einem Ewigen Kalender. Die Komplikation ist eng mit hochwertigen Kleideruhren verbunden:
- Patek Philippe Calatrava 5396, Calatrava 6119R, Nautilus 5712, Ref. 5236P In-Line Perpetual Calendar.
- A. Lange & Söhne Lange 1 Moon Phase, Saxonia Moon Phase, 1815 Annual Calendar.
- Jaeger-LeCoultre Master Ultra Thin Moon, Reverso Tribute Calendar.
- Blancpain Villeret Quantième Complet — historisch das Modell, das die Mondphase in den 1980er Jahren wieder massentauglich machte.
Bei Audemars Piguet und Vacheron Constantin erscheint die Mondphase überwiegend in Ewigen Kalendern, selten als alleinige Komplikation.
Einstellung und Service
Die Mondphase wird über einen versenkten Korrektor am Gehäuse vorgestellt — meist ein kleines, mit einem Stift bedienbares Drückerloch. Falsche Einstellung in Verbindung mit dem Schaltvorgang um Mitternacht kann die Schaltklinke beschädigen, weshalb die meisten Hersteller eine Schutzzone von zwei Stunden um den Mitternachtswechsel definieren, innerhalb derer Korrektoren nicht betätigt werden dürfen.
In unserem Atelier in München prüfen wir bei Eingang einer Mondphasenuhr drei Punkte: korrekter Vortrieb pro Tag, Mittigkeit der Mondscheibe im Fenster bei Vollmond, Spielfreiheit des Schaltrads. Eine seit Jahren nicht verstellte Mondscheibe — typisch bei wenig getragenen Kleideruhren — hat oft verharztes Öl am Schaltrad, das die Anzeige im laufenden Betrieb springen lässt.
Häufige Fragen
- Eine Standardmondphase mit 59-Zähne-Schaltrad weicht etwa einen Tag pro 2,5 Jahre ab und benötigt entsprechend eine Korrektur in diesem Intervall. Präzisionsmondphasen mit 132 oder mehr Zähnen laufen mehr als 120 Jahre fehlerfrei und sind innerhalb eines Menschenlebens praktisch wartungsfrei in dieser Funktion.