Leuchtmasse (Lume)
Lichtemittierendes Material an Indexen, Zeigern und Lünettenmarkierungen für Sichtbarkeit bei schwachem Licht. Mehrere Generationen — Radium, Tritium, Super-LumiNova, Chromalight — hinterlassen jeweils charakteristische Spuren im Zifferblatt und sind zentrale Echtheitsmerkmale im Vintage-Handel.
Eckdaten
- Aktuelle Hauptmaterialien
- Super-LumiNova, Chromalight (Rolex)
- Vintage-Materialien
- Radium (bis 1960er), Tritium (1960er–1990er)
- Anregung modern
- Umgebungslicht (Phosphoreszenz)
- Anregung historisch
- radioaktiver Zerfall
- Kennzeichnung Tritium
- „T SWISS T", „T < 25", „T SWISS MADE T"
- Kennzeichnung Super-LumiNova
- „SWISS MADE" ohne T-Suffix
- Nachleuchtdauer Chromalight
- bis ca. 8 Stunden (Rolex-Angabe)
Leuchtmasse — international Lume, Abkürzung für luminous compound — bezeichnet das lichtemittierende Material an Indexen, Zeigern und Lünettenmarkierungen einer Uhr. Sie macht das Zifferblatt bei schwachem Licht ablesbar, ohne externe Stromquelle. Die Technologie ist über fünf Generationen weiterentwickelt worden; jede hinterlässt charakteristische Spuren, die für Echtheitsprüfung und Bewertung im Sekundärmarkt von zentraler Bedeutung sind.
Generationen der Leuchtmasse
- Radium (etwa 1915 bis Anfang 1960er). Selbstleuchtend durch radioaktiven Zerfall von Radium-226. Beigemischt mit Zinksulfid, der durch den Zerfall angeregt wird. Aus Sicherheitsgründen ab den 1960er Jahren ausgemustert. Alte Radium-Zifferblätter sind bis heute schwach radioaktiv und zeigen typische Ausbrennspuren rund um die Lume-Plots — das Phosphor ist über die Jahrzehnte verbraucht, die Plots leuchten nicht mehr, sind aber als Strukturspur erhalten.
- Tritium (1960er bis Ende 1990er). Deutlich schwächere Radioaktivität als Radium, weiterhin selbstleuchtend. Altert vorhersagbar zu cremigem Gelb, Hellbraun („Custard"), oder Bernstein. Diese Patina ist das definierende Vintage-Aussehen vieler Submariner, Daytona und Speedmaster-Referenzen. Zifferblätter dieser Epoche tragen die Kennzeichnung „T SWISS T", „T < 25" oder „T SWISS MADE T" am unteren Zifferblattrand.
- Super-LumiNova (ab späte 1990er). Strontiumaluminat-Phosphor, durch Umgebungslicht aufgeladen. Nicht radioaktiv, daher unbedenklich in Herstellung und Service. Erhältlich in mehreren Farbvarianten — BGW9 (kaltweiss, blau leuchtend), C3 (grünlich, grün leuchtend), Vintage-Off-White (cremig, gelblich leuchtend). Altert nicht wie Tritium; bleibt über Jahrzehnte hell, fehlt aber die warme Patina.
- Chromalight (Rolex-proprietär, seit 2008). Eine Super-LumiNova-Sondermischung von Rolex, die nicht grün, sondern blau leuchtet — und länger nachglüht (laut Rolex bis zu acht Stunden). Standard auf modernen Sportreferenzen.
- X1, Grade A Type Variants. Höchste Helligkeit der modernen Super-LumiNova-Generation; bei militärischen und professionellen Taucheruhren standardmäßig verwendet.
Wie Leuchtmasse die Echtheitsprüfung informiert
Im Vintage-Markt ist die Leuchtmasse eines der zentralen Originalitätsmerkmale:
- Tritium und Super-LumiNova passen nicht zusammen. Eine Submariner aus den 1970ern mit strahlend weiß leuchtender Leuchtmasse trägt ein Service-Zifferblatt oder neue Plots — originale Tritium-Leuchtmasse muss gealtert sein.
- Gleichmäßige Alterung. Originale Tritium-Plots auf Zifferblatt und Zeigern altern parallel. Sichtbare Farbabweichungen zwischen Index-Plots und Zeigerfüllung weisen auf einen Teiletausch hin — meist Zeiger.
- Konsistente Lume-Farbe über das Zifferblatt. Ein gleichmäßiger cremiger Ton aller Plots gilt als original. Fleckige oder partielle Alterung kann Schaden statt Patina sein (Wassereintritt, Hitze, chemische Belastung).
- UV-Reaktivität. Modernes Super-LumiNova reagiert charakteristisch unter UV-Licht. Gefälschte Leuchtmasse trifft die UV-Signatur der OEM-Phosphormischung in vielen Fällen nicht.
- Zifferblatt-Kennzeichnung. „T SWISS T" oder „T < 25" am unteren Zifferblattrand bestätigt Tritium-Original. Fehlt diese Kennzeichnung bei einem 1970er-Zifferblatt, ist es kein Originalzifferblatt.
Leuchtmasse in der Bewertung
Bei Vintage-Rolex, Audemars Piguet, Patek Philippe und vergleichbaren Marken trägt original gut gealterte Leuchtmasse einen klaren Aufschlag — typischerweise 20 bis 50 Prozent über einer baugleichen Referenz mit Service-Zifferblatt oder ersetzten Plots. Bei besonderen Färbungen — „Tropical Lume" mit stark cremiger oder bräunlicher Patina — können die Aufschläge ein Vielfaches betragen.
In unserem Atelier in München prüfen wir bei jeder Vintage-Eingangsinspektion die Lume-Konfiguration unter UV-Licht und Tageslicht. Plot-Farbe, Plot-Form, Übergang zur Index-Kante und Zeiger-Alterung werden dokumentiert; bei Auffälligkeiten ziehen wir Vergleichsmaterial aus unserer Referenzdatenbank hinzu.
Service-Hinweis
Beim Werkservice bleibt das Originalzifferblatt unangetastet. Wer eine Vintage-Uhr „aufgefrischt" mit neuen Plots zurückbekommt, hat in den meisten Fällen Wert verloren — die ursprüngliche Patina ist nicht wiederherstellbar. Wir empfehlen grundsätzlich, bei Vintage-Referenzen das Zifferblatt original zu belassen, auch wenn einzelne Plots beschädigt sind. Die Entscheidung trifft der Eigentümer; wir beraten dazu in unserer Werkstatt.
Häufige Fragen
- Bei intaktem Zifferblatt: nein. Die ausgesendete Strahlung wird durch das Mineralglas oder Saphirglas weitgehend abgeschirmt. Bei einer geöffneten Uhr und direktem Hautkontakt sollte vorsichtig gearbeitet werden. Wir behandeln Tritium-Zifferblätter in unserer Werkstatt mit den entsprechenden Standardvorkehrungen und führen einen Sicherheitsstandard nach Strahlenschutzverordnung.
Weiter erkunden
- SubmarinerDie Sportreferenz mit der längsten Lume-Entwicklungsgeschichte — Radium über Tritium zu Chromalight.→
- IndexDie Plot- und Markierungselemente, in denen die Leuchtmasse aufgetragen wird.→
- Service & WerkstattZifferblatt-Prüfung, Lume-Beurteilung und Dokumentation — durch unsere Werkstatt in München.→