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Time Boutique München
Werk & Anatomie

Incabloc

Eine federnde Stoßsicherung für die Unruh-Achse, entwickelt 1934 in der Schweiz. Bei einem Stoß verschiebt sich der Lagerstein in seiner federnden Fassung und schützt die Stahlspitze der Unruhachse vor dem Bruch.

Eckdaten

Funktion
Stoßsicherung an der Unruh-Achse
Erstmals patentiert
1934, Schweiz
Hersteller
Universal Escapements / Portescap
Komponenten
Lagerstein, Deckstein, Lyra-Feder
Wirkprinzip
elastische Verschiebung des gesamten Lagers
Konkurrenz Rolex
Kif Trior, Paraflex
Konkurrenz Seiko
Diashock
Verbau
praktisch jede mechanische Armbanduhr seit den 1950ern

Incabloc ist ein 1934 in der Schweiz entwickeltes System der Stoßsicherung an der Unruhachse. Die Marke gehört zur Universal Escapements / Portescap-Gruppe, ist aber so verbreitet, dass „Incabloc" heute fast synonym mit „Stoßsicherung" verwendet wird. Das System bewahrt die feine Spitze der Unruh-Achse bei einem Sturz vor dem Bruch — und damit das Werk vor einem Totalausfall.

Warum eine Stoßsicherung nötig ist

Die Unruh dreht sich auf zwei extrem fein geschliffenen Stahlspitzen, die in Rubinlagern laufen. Diese Spitzen sind nur wenige Hundertstel Millimeter dick — gerade groß genug, um die schwingende Unruh zu tragen, klein genug, um die Reibung minimal zu halten. Im Normalbetrieb funktioniert das einwandfrei. Bei einem Sturz aber wirken kurzzeitig Kräfte, die das Vielfache des Eigengewichts der Uhr erreichen können. Ohne Stoßsicherung würde die feine Spitze brechen oder der Rubinstein bersten — die Uhr stünde sofort.

Vor Incabloc waren Achsbrüche eines der häufigsten Schadensbilder; Vintage-Werke ohne Stoßsicherung haben sie regelmäßig.

Wie Incabloc arbeitet

Das System besteht aus einem Lagerstein und einem Deckstein, die gemeinsam in einer federnden Lyra-Fassung gehalten werden. Im Normalbetrieb sitzt der Lagerstein präzise zentriert und die Unruhachse läuft störungsfrei. Bei einem Stoß verschiebt sich die gesamte Lagerfassung elastisch — der Lagerstein weicht aus, die Federkraft fängt die Bewegung ab, und das System kehrt anschließend in seine Ausgangslage zurück. Die Kraft wird nicht auf die feine Stahlspitze übertragen, sondern in die Feder umgeleitet.

Die Wirkung lässt sich auf der Zeitwaage hörbar machen: Eine Uhr mit intakter Incabloc-Sicherung verträgt einen leichten Tippstoß ohne hörbare Gangunterbrechung. Eine Uhr ohne Sicherung oder mit verschlissener Sicherung stoppt oder verschlechtert ihren Gang sofort.

Hersteller und Varianten

Neben Incabloc gibt es im Markt mehrere parallele Stoßsicherungs-Systeme:

  • Incabloc. Der historische Standard; verbreitet in ETA-, Sellita-, einigen Patek- und vielen weiteren Schweizer Werken.
  • Kif Trior / Parechoc / Élastor. Konkurrenzsystem mit ähnlicher Funktionsweise, verbaut in Rolex und einigen Premium-Werken.
  • Paraflex. Rolex-Eigenentwicklung in modernen Kalibern; eine weiterentwickelte federnde Stoßsicherung.
  • Diashock. Seiko und Grand Seiko verwenden dieses System in eigenen Werken.

Funktional sind alle Varianten gleichwertig — die jeweiligen Marken haben aus markenpolitischen und konstruktiven Gründen unterschiedliche Lösungen gewählt.

Service und Verschleiß

In unserem Atelier in München wird die Stoßsicherung bei jedem Komplett-Service kontrolliert: Sitz des Decksteins, Funktion der Feder, Verschleiß an den Berührungsflächen. Die federnde Lyra kann sich nach vielen Jahren weiten oder verklemmen; eine verharzte Schmierung im Lager mindert die Funktion. Im Service werden die Steine gereinigt, neu geölt und die Feder geprüft. Bei Bedarf wird die komplette Incabloc-Einheit getauscht — ein kurzer, routinemäßiger Eingriff.

Häufige Fragen

  • Heute ja. Praktisch alle mechanischen Armbanduhren seit den späten 1950er Jahren sind mit Incabloc oder einem äquivalenten System ausgestattet — bis dahin war die Stoßsicherung Premium-Werken vorbehalten. Vintage-Werke der frühen 1950er und davor haben oft keine; deshalb sind dort Achsbrüche nach einem Sturz ein häufiges Servicethema. Bei modernen Uhren ist eine fehlende Stoßsicherung ein Hinweis auf ein historisches oder ein dekoratives Werk.

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